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Johann, Johannes oder Hans: Ist das wirklich derselbe Mensch?

Ahnenforschung mit dem Stammbaum von Johannes, umgeben von handschriftlichen Notizen und Büchern auf einem Holzschreibtisch

Im Taufeintrag steht Johannes Müller. Zwanzig Jahre später heiratet ein Johann Müller. Bei der Taufe des ersten Kindes heißt der Vater Hans Müller, und im Sterberegister erscheint wieder Johannes.

Das kann viermal derselbe Mann sein.

Es können allerdings ebenso gut zwei oder drei verschiedene Männer sein, die zufällig zur selben Zeit im selben Ort lebten. Gerade Johann, Johannes und Hans gehören zu jenen historischen Vornamen, bei denen eine bloße Namenssuche ausgesprochen schnell falsche Sicherheit erzeugt.

Sprachlich gehören die Formen eng zusammen. Die Universität Leipzig ordnet Johann und Hans ausdrücklich dem Namenskomplex Johannes zu. Hans entwickelte sich als Kurzform von Johannes und wurde im Laufe der Zeit selbst zu einem eigenständigen Vornamen. Auch das Bundesarchiv weist bei seiner Personenrecherche ausdrücklich darauf hin, dass Vornamen im Alltagsgebrauch in Kurz- und Koseformen erscheinen können und nennt „Hans“ als Beispiel für „Johann“.

Für die Ahnenforschung folgt daraus allerdings gerade nicht, dass jeder Hans automatisch mit jedem Johann oder Johannes gleichgesetzt werden darf. Die Namensformen eröffnen eine Möglichkeit. Ob tatsächlich derselbe Mensch gemeint ist, muss aus den übrigen Quellen hervorgehen.

Warum Johann, Johannes und Hans zusammengehören

Johannes gehört zu den historisch besonders verbreiteten christlichen Vornamen Europas. Der Name gelangte über griechische und lateinische Formen in die europäischen Sprachen und entwickelte eine bemerkenswerte Zahl regionaler Formen und Kurzformen.

Im deutschen Sprachraum gehören Johann und Hans zu diesem Namenskomplex. Die Universität Leipzig beschreibt Johannes als einen über lange Zeit außerordentlich beliebten Personennamen „von Johann bis Hans“ mit zahlreichen internationalen Varianten.

Hans war ursprünglich eine Kurzform, blieb aber nicht dauerhaft bloß eine informelle Abkürzung. Wie bei vielen Ruf- und Koseformen konnte daraus ein selbständig verwendeter Vorname werden. Das ist für genealogische Forschung entscheidend.

Ein Hans in einer Quelle kann also ein Johannes beziehungsweise Johann sein, der im Alltag Hans genannt wurde.

Er kann aber ebenso gut tatsächlich Hans geheißen haben.

Die sprachliche Verwandtschaft beantwortet deshalb nicht die genealogische Frage.

Der Taufeintrag muss nicht den Namen zeigen, den die Familie täglich benutzte

Kirchenbücher dokumentieren kirchliche Handlungen. Sie wurden nicht dafür angelegt, uns dreihundert Jahre später eine perfekt normalisierte Personendatenbank zu hinterlassen.

Ein Pfarrer konnte bei einer Taufe Johannes eintragen, während derselbe Mann im Dorf zeitlebens Hans genannt wurde. Ein anderer Schreiber bevorzugte Johann. In einem lateinisch geführten Eintrag konnte wiederum eine andere Form erscheinen.

Dass solche Unterschiede selbst bei wesentlich jüngeren Quellen berücksichtigt werden müssen, zeigt das Bundesarchiv. Bei der Recherche in personenbezogenen Beständen weist es darauf hin, dass Menschen mehrere Taufnamen besitzen konnten und nicht immer eindeutig festzustellen ist, welcher davon tatsächlich als Rufname verwendet wurde. Als alltägliche Kurzformen nennt das Bundesarchiv ausdrücklich Hans für Johann, Willi für Wilhelm und Frieda für Elfriede.

Wer im Kirchenbuch ausschließlich nach exakt derselben Schreibweise sucht, kann deshalb ein und denselben Menschen übersehen.

Wer jede verwandte Namensform automatisch zusammenführt, produziert allerdings das entgegengesetzte Problem.

Johannes in der Taufe, Johann bei der Hochzeit: Das ist zunächst plausibel

Angenommen, ein Johannes Becker wird 1748 geboren. 1774 heiratet ein Johann Becker. Alter, Ort und Familienname stimmen.

Das spricht dafür, beide Einträge näher miteinander zu vergleichen.

Es beweist noch nicht, dass sie zusammengehören.

Historische Personennamen waren nicht überall und zu jeder Zeit einheitlich geschrieben. Das Landesarchiv Baden-Württemberg empfiehlt bei Recherchen in historischen Beständen ausdrücklich, unterschiedliche Schreibweisen eines Namens auszuprobieren, weil Personennamen früher nicht normiert waren.

Diese Rechercheempfehlung lässt sich ohne Weiteres auf Familienforschung in ganz Deutschland übertragen. Wer historische Quellen durchsucht, sollte mit Schreib- und Namensvarianten rechnen.

Die praktische Konsequenz lautet deshalb:

Johannes und Johann dürfen als mögliche Varianten derselben Person behandelt werden.

Zusammengeführt werden sie erst, wenn weitere Merkmale passen.

Hans macht die Sache schwieriger

Bei Hans kommt eine zusätzliche Ebene hinzu.

Eine Kurzform kann in privaten oder alltäglichen Quellen auftauchen, während kirchliche beziehungsweise amtliche Quellen eine längere Namensform verwenden. Hans kann deshalb zu einem Johannes oder Johann gehören.

Hans kann aber gleichzeitig ein eigenständiger Taufname sein.

Genau hier entsteht einer der klassischen Fehler genealogischer Datenbanken. Ein Forscher kennt die sprachliche Verbindung und vereinheitlicht sämtliche Hans-Einträge vorsorglich zu Johann. Damit verschwindet aus der Datenbank die historische Information, wie die Person in der jeweiligen Quelle tatsächlich bezeichnet wurde.

Noch problematischer wird es in Familien mit mehreren Männern aus demselben Namenskreis.

Johannes Müller kann einen Cousin Hans Müller haben.

Oder einen Sohn Johann Müller.

Oder alle drei leben gleichzeitig.

Die Kenntnis der Namensgeschichte hilft dann nur noch dabei, möglichst viele Kandidaten zu finden.

Für die Entscheidung braucht man Familie.

Der Familienname rettet uns leider auch nicht immer

„Johann Müller“ gehört nicht gerade zu den Namen, bei denen man sich auf eine einmalige Kombination verlassen möchte.

Historisch häufige Vornamen trafen auf regional verbreitete Familiennamen. Im selben Dorf konnten deshalb mehrere Männer mit praktisch identischem Namen leben.

Das Landesarchiv warnt bei genealogischer Recherche ausdrücklich vor genau diesem Problem. Einzelbelege zu einem Hans Müller aus demselben Ort und derselben Zeit müssen nicht dieselbe Person betreffen. Die Fundstellen sollen zunächst gesammelt und erst anschließend gemeinsam ausgewertet werden.

Das ist eine der wichtigsten Regeln historischer Personenrecherche überhaupt.

Nicht zuerst zusammenführen und anschließend versuchen, Widersprüche zu erklären.

Zuerst getrennt sammeln.

Dann prüfen.

Der zweite Vorname kann wichtiger sein als Johann

Besonders tückisch sind Familien, in denen Johann wiederholt als erster Vorname erscheint.

Johann Georg, Johann Peter, Johann Friedrich und Johann Michael können vier Brüder sein. Im Alltag wurden sie möglicherweise Georg, Peter, Friedrich und Michael genannt.

Wer in einem Register nur den ersten Vornamen übernimmt, verwandelt vier klar unterscheidbare Menschen in vier Männer namens Johann Müller.

Diese Form der Namengebung war regional und zeitlich unterschiedlich ausgeprägt. Eine starre Regel wie „bei Johann war immer der zweite Name der Rufname“ wäre deshalb zu weitgehend. Bei konkreten Familien kann genau dieses Muster aber vorkommen.

Darum sollten bei mehreren Vornamen immer sämtliche Namen transkribiert werden.

Johann Georg ist nicht dasselbe wie Johann Friedrich.

Selbst wenn beide später gelegentlich nur als Johann erscheinen.

Ein unterstrichener Vorname kann den Rufnamen verraten

In jüngeren Quellen findet sich gelegentlich eine sehr hilfreiche Kennzeichnung: Der Rufname ist unterstrichen.

Das Bundesarchiv beschreibt für bestimmte personenbezogene Karteien, dass bei mehreren Vornamen alle Namen erfasst und der Rufname unterstrichen wurde. Fehlt eine solche Kennzeichnung, kann dagegen unklar bleiben, welcher Vorname tatsächlich verwendet wurde.

Für ältere Kirchenbücher darf man eine solche praktische Hilfe nicht voraussetzen.

Dort kann ein vollständiger Taufname stehen, ohne jeden Hinweis darauf, ob die Familie den ersten, zweiten oder dritten Namen im Alltag verwendete.

Gerade dann werden spätere Quellen wichtig.

Taucht Johann Georg bei seiner Hochzeit nur als Georg auf und nennt ein Taufregister seiner Kinder ebenfalls Georg, während Eltern, Alter und Wohnort übereinstimmen, entsteht eine nachvollziehbare Verbindung.

Die Verkürzung allein beweist sie wiederum nicht.

Lateinische Formen sind eine eigene kleine Falle

Kirchenbücher wurden je nach Konfession, Zeit und Pfarrer teilweise auf Latein geführt. Dadurch können Namen in Formen erscheinen, die auf den ersten Blick wie andere Vornamen wirken.

Bei der Lektüre alter Kirchenbücher kommen zusätzlich unterschiedliche Schriften und historische Rechtschreibung hinzu. Archion weist darauf hin, dass lateinische und deutschsprachige Bestandteile sogar in unterschiedlichen Schriftarten geschrieben sein können.

Das erschwert die Sache gleich doppelt.

Zunächst muss der Name richtig gelesen werden.

Anschließend muss geklärt werden, ob die gefundene Form lediglich eine sprachlich beziehungsweise grammatisch veränderte Form eines bekannten Namens ist oder tatsächlich eine andere Person bezeichnet.

Besonders bei digitalisierten Registern oder automatisch erstellten Suchindizes kann diese zweite Stufe verloren gehen.

Ein Index liefert einen Treffer.

Das Original zeigt den Zusammenhang.

Auch der grammatische Fall kann aussehen wie ein anderer Name

Lateinische Kirchenbucheinträge verändern Namen je nach Satzkonstruktion.

Ein Genealoge, der lediglich einzelne Wörter aus einem Eintrag herausliest, kann deshalb auf Formen stoßen, die nicht exakt dem erwarteten Grundnamen entsprechen.

Das ist kein Beweis für einen weiteren Vornamen.

Es kann schlicht Grammatik sein.

Genau deshalb sollte ein Kirchenbucheintrag möglichst als ganzer Satz gelesen werden. Wer lediglich einen vermeintlichen Namen aus einer Datenbank übernimmt, verliert den sprachlichen Zusammenhang, in dem er steht.

Bei schwierigen lateinischen Einträgen lohnt es sich, die vollständige Formulierung zu transkribieren und erst anschließend die Personendaten herauszulösen.

Ein Stammbaum braucht am Ende vielleicht nur den Namen.

Die Recherche braucht den Satz.

Wie erkenne ich, ob Johann und Hans wirklich derselbe Mensch sind?

Ich beginne nicht mit dem Namen.

Ich beginne mit den Beziehungen.

Passen die Eltern?

Wird derselbe Ehepartner genannt?

Stimmen Wohnort und ungefähres Alter?

Tauchen dieselben Kinder auf?

Ist derselbe Beruf angegeben?

Gibt es wiederkehrende Paten oder Trauzeugen?

Passt die zeitliche Abfolge?

Kirchenbücher sind gerade deshalb so wertvoll, weil Tauf- und häufig auch Heiratseinträge mehrere Familienmitglieder gemeinsam nennen. Das Landesarchiv weist darauf hin, dass Taufregister üblicherweise Eltern und Paten enthalten und Heiratsregister bei ersten Eheschließungen häufig ebenfalls die Eltern nennen.

Ein Johannes mit passenden Eltern ist erheblich stärker als ein Johannes mit passendem Namen.

Ein Johann mit demselben Ehepartner ist stärker als ein Johann im selben Dorf.

Ein Hans mit demselben Vater, Beruf und Hof wird langsam sehr interessant.

Das Alter hilft – aber bitte nicht auf den Tag genau rückwärts rechnen

Sterberegister führen häufig ein Alter auf. Daraus lässt sich ein ungefähres Geburtsjahr errechnen.

Das kann bei mehreren Johann Müllers hilfreich sein.

Nur sind historische Altersangaben nicht immer präzise. Besonders bei älteren Menschen kann ein angegebenes Alter gerundet oder schlicht falsch sein. Eine Differenz von einigen Jahren sollte deshalb nicht automatisch dazu führen, eine ansonsten gut passende Person auszuschließen.

Umgekehrt beweist ein passend errechnetes Geburtsjahr nichts.

Wenn zwei Männer namens Johann Becker ungefähr 1750 geboren wurden, löst die Angabe „etwa 70 Jahre“ in einem Sterbeeintrag das Problem nicht.

Das Alter ist ein Filter.

Keine Identitätsnummer.

Paten können zwischen zwei Johannes entscheiden

Gerade bei häufigen Vornamen wird der Blick auf Paten ausgesprochen nützlich.

Ein Johannes Müller bekommt Kinder, bei deren Taufen regelmäßig Angehörige einer bestimmten Familie auftreten. Ein zweiter Johann Müller im selben Ort besitzt einen völlig anderen Patenkreis.

Solche Netzwerke können helfen, die Familien auseinanderzuhalten.

Das funktioniert besonders gut, wenn ein Pate später ausdrücklich als Bruder, Schwager oder anderer Verwandter bezeichnet wird.

Wie wichtig soziale Beziehungen für die Personenzuordnung sind, zeigte bereits der Beitrag Zwei Menschen, derselbe Name, dieselbe Zeit: Wie falsche Vorfahren in Stammbäume geraten.

Dort besteht die Schwierigkeit darin, identische Namen auseinanderzuhalten.

Hier kommt noch hinzu, dass selbst der Name nicht identisch bleiben muss.

Hausnamen können aus Johann plötzlich noch etwas ganz anderes machen

Wer in ländlichen Quellen arbeitet, bekommt möglicherweise noch eine weitere Namensschicht dazu.

Johann Müller kann örtlich unter einem Haus- oder Hofnamen bekannt sein. In einer späteren Quelle erscheint er dann vielleicht unter einer Bezeichnung, die mit Müller überhaupt nichts mehr zu tun hat.

Das Thema habe ich im Beitrag Hausnamen in der Ahnenforschung ausführlicher behandelt.

Kombiniert man beide Phänomene, kann dieselbe Person theoretisch als Johannes Müller, Johann Müller, Hans Müller und zusätzlich unter einem Hofnamen auftauchen.

Spätestens dann ist eine reine Textsuche nach einem Namen kein besonders überzeugendes Recherchekonzept mehr.

Man braucht den Menschen hinter dem Namen.

Der Tod eines Vaters kann helfen, Sohn und Vater zu trennen

Johann senior und Johann junior sind ein weiterer Klassiker.

Ein Vater und sein Sohn können denselben Vornamen besitzen, denselben Beruf ausüben und im selben Haus leben. Solange beide am Leben sind, können Quellen erstaunlich unfreundlich zu heutigen Forschern sein.

Manchmal erscheinen Zusätze wie „der Ältere“, „der Jüngere“, senior oder junior.

Darauf sollte man sich nicht verlassen.

Wird einer der beiden beerdigt, verändert sich die Quellenlage häufig. Der verbleibende Johann braucht plötzlich keinen unterscheidenden Zusatz mehr. Wer diesen Übergang erkennt, kann frühere Einträge oft besser sortieren.

Deshalb lohnt es sich, nicht nur den gesuchten Lebensabschnitt zu betrachten.

Die Ereignisse davor und danach können erklären, warum ein Name plötzlich seine Form verändert.

Ein fehlender Hans ist noch kein Beweis, dass er Johannes hieß

Digitale Suchportale erzeugen eine neue Form der Versuchung.

Man sucht Hans Müller und bekommt keinen Treffer.

Danach sucht man Johannes Müller und findet einen zeitlich passenden Eintrag.

Damit haben wir einen Kandidaten.

Keine Lösung.

Das Bundesarchiv warnt bei seinen eigenen digitalen Recherchebeständen ausdrücklich davor, aus einem erfolglosen exakten Suchlauf auf das Fehlen der Person zu schließen. Namensvarianten, mehrere Taufnamen und Kurzformen können dazu führen, dass ein Eintrag unter einer unerwarteten Form erfasst wurde.

Für historische Kirchenbücher kommt noch hinzu, dass viele Bestände gar nicht vollständig nach Personennamen erschlossen sind. Oft muss tatsächlich Seite für Seite gelesen werden.

Google hat uns bei der Ahnenforschung an eine Erwartung gewöhnt, die ein Kirchenbuch von 1723 nicht erfüllen muss.

Wann ich Johann und Johannes zusammenführen würde

Nicht wegen der Ähnlichkeit der Namen allein.

Ich würde zwei Einträge zusammenführen, wenn die Namensvariante mit einer belastbaren biografischen Verbindung zusammenkommt.

Beispielsweise:

Johannes Becker wird als Sohn von Michael Becker getauft.

Bei der Heirat erscheint Johann Becker, Sohn des Michael Becker, mit passendem Herkunftsort und Alter.

Bei den späteren Taufen seiner Kinder steht der Vater teils Johann, teils Johannes, während Ehefrau, Wohnort und Beruf gleichbleiben.

Dann spricht sehr viel dafür, dass dieselbe Person gemeint ist.

In diesem Fall ist die wechselnde Namensform selbst Teil der Quellenlage.

Ich würde sie dokumentieren und nicht unsichtbar vereinheitlichen.

Wann ich Hans und Johann ausdrücklich getrennt lassen würde

Wenn außer der sprachlichen Verwandtschaft wenig zusammenpasst.

Hans Müller erscheint 1760 als Vater eines Kindes.

Johann Müller heiratet 1761.

Johannes Müller taucht 1762 in einer Steuerliste auf.

Das reicht nicht.

Erst recht nicht, wenn Müller im Ort häufig vorkommt.

Hier würde ich zunächst drei Fundstellen beziehungsweise Kandidaten führen und nach weiteren Quellen suchen.

Genau diese Arbeitsweise empfiehlt auch das Landesarchiv bei der Auswertung von Namensnennungen aus älteren Quellen: Einzelbelege zunächst sammeln, ergänzende Angaben festhalten und erst anschließend prüfen, welche Erwähnungen tatsächlich zur selben Person gehören. Unsicherheiten sollen ausdrücklich als solche dokumentiert werden.

Ein Stammbaum darf eine offene Frage enthalten.

Er muss nicht jede Lücke sofort mit einem Johann stopfen.

Wie Namensvereinheitlichung Online-Stammbäume kaputtmachen kann

Genealogische Software liebt Ordnung.

Historische Namen nicht unbedingt.

Wer alle Johannes, Johanns und Hänse automatisch vereinheitlicht, erleichtert zwar die Suche im eigenen Datenbestand. Gleichzeitig kann dabei verloren gehen, welche Form tatsächlich in welcher Quelle stand.

Noch gefährlicher wird es, wenn Daten zwischen Stammbäumen kopiert werden.

Ein Forscher entscheidet, Hans sei identisch mit Johannes.

Ein zweiter übernimmt diese Person.

Ein dritter kopiert die Verbindung samt Eltern.

Irgendwann existieren mehrere Stammbäume mit derselben Zuordnung. Die ursprüngliche Entscheidung wird aber nicht richtiger, nur weil sie häufig kopiert wurde.

Deshalb würde ich bei jeder Namensvariante die Originalquelle festhalten.

„Johannes“ im Taufbuch.

„Johann“ im Heiratseintrag.

„Hans“ in einer Steuerliste.

Erst dann folgt die Interpretation: wahrscheinlich dieselbe Person.

Die Schreibweise sollte im Forschungsprotokoll erhalten bleiben

Für die Darstellung eines fertigen Stammbaums kann eine einheitliche Hauptform sinnvoll sein.

Bei der Recherche sollte die historische Schreibweise trotzdem erhalten bleiben.

Das ermöglicht später, eine Zuordnung zu überprüfen. Außerdem verrät die Namensform manchmal etwas über Quelle, Schreiber oder Sprachgebrauch.

Im vorangegangenen Beitrag Aus Katharina wird Käthe: Wie Namensvarianten die Ahnenforschung erschweren gilt dasselbe Prinzip.

Die Quelle wird nicht korrigiert, weil wir heute eine andere Schreibweise bevorzugen.

Wir dokumentieren, was dort steht.

Was mache ich bei einem lateinischen Johannes und einem deutschen Hans?

Genau dasselbe wie bei allen anderen Varianten.

Ich prüfe zuerst den Kontext der Quelle und anschließend die Biografie.

Wenn die lateinische Kirchenbucheintragung einen Johannes nennt und eine deutschsprachige Steuerliste wenige Jahre später einen Hans mit demselben Familiennamen, Ort und Beruf enthält, ist eine Identität plausibel.

Kommen Ehepartner, Verwandtschaft und Alter hinzu, wird sie stärker.

Fehlen diese Informationen und leben mehrere Männer gleichen Namens im Ort, bleibt sie unsicher.

Die Übersetzung beziehungsweise sprachliche Verwandtschaft kann erklären, warum zwei Formen zusammenpassen könnten.

Sie kann nicht beweisen, dass sie zu derselben Person gehören.

Das ist der Unterschied zwischen Namenkunde und Genealogie.

Johann, Johannes und Hans sind deshalb ein perfekter Test für saubere Ahnenforschung

Wer sich an diesen drei Namen eine gute Arbeitsweise angewöhnt, kann sie auf zahlreiche andere Fälle übertragen.

Katharina und Käthe.

Wilhelm und Willi.

Friedrich und Fritz.

Margaretha und Grete.

Michael und Michel.

Bei jeder möglichen Variante stellen sich dieselben Fragen:

Ist die Namensform sprachlich plausibel?

Passen die übrigen Lebensdaten?

Gibt es direkte Beziehungen zwischen den Quellen?

Existieren gleichzeitig andere Menschen, die ebenfalls infrage kommen?

Je häufiger ein Name ist, desto weniger Gewicht sollte man ihm allein geben.

Drei Namen können dieselbe Person sein – aber die Quellen müssen es zeigen

Johann, Johannes und Hans können in historischen deutschen Quellen tatsächlich ein und denselben Menschen bezeichnen. Das ist kein exotischer Ausnahmefall. Das Bundesarchiv berücksichtigt solche Ruf- und Kurzformen selbst bei der professionellen Personenrecherche.

Trotzdem wäre es ein Fehler, daraus eine automatische Gleichung zu machen.

Johannes = Johann = Hans funktioniert sprachgeschichtlich.

Genealogisch funktioniert nur:

Johannes + passende Eltern + passender Ort + passender Ehepartner + passende Lebensdaten = wahrscheinlich derselbe Mensch wie Johann oder Hans in einer anderen Quelle.

Und selbst dann darf ein Widerspruch die Zuordnung wieder infrage stellen.

Genau darin unterscheidet sich Ahnenforschung von der bloßen Sammlung ähnlicher Namen.

Weitere Beiträge zu historischen Namensproblemen stehen im Blog von Lou Herfurth. Besonders eng mit diesem Thema verbunden sind Namensvarianten in der Ahnenforschung, gleichnamige Personen richtig zuordnen und Hausnamen in der Ahnenforschung.