Eine Landschnecke trägt einen großen Teil ihres Kalkbedarfs sichtbar mit sich herum. Ihr Gehäuse besteht zu einem erheblichen Teil aus Calciumcarbonat. Während des Wachstums wird am Gehäuserand fortlaufend neues Material angebaut. Nach einem Bruch braucht das Tier Kalk für die Reparatur. Auch die Bildung der Eier greift auf vorhandene Reserven zurück.
Trotzdem muss Kalk nicht über jedes Futter gestreut und schon gar nicht nach einem starren Plan dosiert werden. In meiner Haltung hat sich eine viel einfachere Lösung bewährt: Die Kalkquelle liegt ständig separat im Gehege. Die Schnecken raspeln davon ab, wenn sie etwas aufnehmen möchten.
Warum Landschnecken Kalk brauchen
Das Gehäuse ist kein totes Behältnis, das die Schnecke zufällig mit sich trägt. Es wächst mit ihr und wird vom Mantel gebildet. Seine mineralische Härte entsteht vor allem durch eingelagertes Calciumcarbonat.
Kalk wird benötigt für:
- das Wachstum des Gehäuses
- die Stabilität der neu gebildeten Schale
- die Reparatur kleiner Gehäuseschäden
- die Bildung kalkhaltiger Eier
- den Mineralstoffhaushalt des Tieres
Wie stark Umwelt und Kalkangebot das Gehäuse beeinflussen können, zeigen Untersuchungen an Landschnecken. Die Verfügbarkeit von Calcium im Boden kann sich auf Wachstum und Form der Schale auswirken. Der Zusammenhang wurde unter anderem in einer Studie zur Gehäuseentwicklung von Landschnecken untersucht.
Für die Haltung bedeutet das nicht, dass möglichst viel Kalk möglichst gut wäre. Entscheidend ist, dass jederzeit eine geeignete Quelle erreichbar ist.
Kalk immer separat anbieten
Kalk wird nicht über Gurke, Salat oder anderes Futter gestreut. Wird jedes Lebensmittel dick mit Pulver überzogen, kann die Schnecke nicht mehr frei wählen, ob sie gerade Futter oder Kalk aufnehmen möchte.
Die bessere Lösung ist ein fester Kalkplatz. Dort liegt eine Sepiaschale, eine Eierschale oder ein flaches Gefäß mit Futterkalk.
Bei mehreren Schnecken verteile ich mehrere Kalkquellen im Terrarium. Eine Schnecke kann lange auf einer Sepiaschale sitzen. Ein zweites Stück sorgt dafür, dass kleinere Tiere trotzdem Zugang haben.
Auch in einer Krankenstation gehört der Kalk in die Nähe des Tieres, bleibt aber vom Futter getrennt. Wie eine solche Box eingerichtet wird, steht im Beitrag Verletzte Schnecke unterbringen: Ruhe, Boden und passende Box.
Sepiaschale als Kalkquelle
Sepiaschalen sind leicht, ergiebig und einfach anzubieten. Es handelt sich um den kalkhaltigen Schulp von Tintenfischen. Viele Landschnecken raspeln deutlich sichtbare Spuren hinein.
Eine naturbelassene Sepiaschale kann im Ganzen oder in mehreren größeren Stücken ins Terrarium gelegt werden. Metallhalterungen für Vogelkäfige werden vorher entfernt.
Die harte Außenseite und die weichere Innenseite müssen nicht mühsam getrennt werden. Die Schnecken suchen sich selbst die Stellen, an denen sie raspeln können.
Wird die Sepiaschale mit Erde oder Kot verschmutzt, lässt sie sich unter klarem Wasser abbürsten. Sie muss nicht entsorgt werden, nur weil sie nass, angenagt oder unansehnlich geworden ist.
Bei größeren Gruppen sind Sepiaschalen im Mehrfachpack meist günstiger. Einzelne Stücke können auf mehrere Futter- und Kalkstellen verteilt werden.
Selbst gesammelte Sepiaschalen vorbereiten
Am Strand gefundene Sepiaschalen können Salz enthalten. Sie kommen deshalb nicht direkt aus dem Urlaubskoffer ins Terrarium.
Gesammelte Stücke werden über längere Zeit in klarem Wasser gewässert. Das Wasser wird mehrfach gewechselt. Anschließend kann die Sepia trocknen.
Stark verschmutzte, ölige oder unangenehm riechende Stücke werden nicht verwendet. Gleiches gilt für Fundstücke aus Bereichen, in denen sichtbare Verunreinigungen oder Schadstoffe zu erwarten sind.
Wer diesen Aufwand vermeiden möchte, verwendet Sepiaschalen aus dem Tierbedarf.
Eierschalen für Weinbergschnecken
Eierschalen sind eine brauchbare Kalkquelle. Sie fallen im Haushalt ohnehin an und werden von vielen Weinbergschnecken gut angenommen.
Aktuelle Fütterungsversuche an Cornu aspersum bestätigen, dass Eierschalen als Calciumquelle verwertbar sind. Dabei wurden allerdings genau zusammengesetzte Versuchsfuttermittel untersucht. Daraus lässt sich keine feste Dosierung für die private Haltung ableiten. Die Ergebnisse zeigen dennoch, dass Eierschale als Kalkquelle grundsätzlich geeignet ist. Die Studie ist über den DOI-Eintrag bei Taylor & Francis erreichbar.
Vor dem Anbieten werden die Schalen:
- von Eiweiß- und Eigelbresten befreit,
- gründlich mit Wasser abgespült,
- vollständig getrocknet,
- in handliche Stücke gebrochen.
Die Eihaut muss nicht zwangsläufig entfernt werden. Reste von rohem Ei dürfen jedoch nicht an der Schale hängen und im warmen Terrarium verderben.
Eierschalen müssen nicht gemahlen werden
Immer wieder wird empfohlen, Eierschalen im Mörser zu feinem Pulver zu verarbeiten. Für Weinbergschnecken ist das nicht nötig. Sie raspeln selbstständig von größeren Schalenstücken ab.
Eine ganze halbe Eierschale ist allerdings leicht und kann beim Darüberkriechen verrutschen. Flach gebrochene Stücke liegen besser auf dem Boden. Sie können mit der Innenseite oder Außenseite nach oben angeboten werden.
Pulver hat einige Nachteile. Es verteilt sich im Bodengrund, klebt an feuchtem Futter und lässt sich bei Verschmutzung schlecht entfernen. Ein Schalenstück bleibt dagegen als klar erkennbare Kalkquelle im Gehege.
Wer Eierschalen für sehr kleine Jungschnecken zerkleinern möchte, muss daraus kein staubfeines Mehl herstellen. Kleine Bruchstücke oder eine etwas angeraute Oberfläche reichen.
Futterkalk für Landschnecken
Futterkalk besteht je nach Produkt hauptsächlich aus Calciumcarbonat. Er wird eigentlich für andere Tierarten verkauft, kann aber auch Landschnecken als Kalkquelle angeboten werden, wenn die Zusammensetzung passt.
Vor dem Kauf wird die Deklaration gelesen. Ein einfaches Produkt ohne Salz, Aromen, Medikamente oder unnötige Zusätze ist die sinnvollste Wahl. Gartenkalk und Baustoffe sind kein Ersatz für deklarierten Futterkalk.
Geeigneter Futterkalk aus Calciumcarbonat wird in eine flache, leichte Schale gefüllt. Das Pulver bleibt trocken oder wird mit wenig Wasser zu einem Brei angerührt.
Auch hier gilt: Der Kalk wird nicht über das Futter gegeben.
Feuchter Kalkbrei muss regelmäßig kontrolliert werden. Wird er mit Kot, Erde oder Futterresten verschmutzt, wird die Schale gereinigt und neu befüllt.
Gartenkalk gehört nicht automatisch ins Terrarium
Produkte mit der Aufschrift „Kalk“ können sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein. Gartenkalk, Branntkalk, Löschkalk, Baukalk und Futterkalk sind keine austauschbaren Begriffe.
Branntkalk und Löschkalk können stark reizend oder ätzend wirken. Solche Produkte gehören nicht in ein Schneckenterrarium.
Auch bei Gartenkalk ist die genaue Zusammensetzung zu prüfen. Manche Produkte enthalten zusätzliche Dünger oder andere Bestandteile. Ein Sack, der für Rasen, Beete oder Landwirtschaft gedacht ist, wird nicht allein wegen des Wortes „Kalk“ zur geeigneten Futterquelle.
Für die separate Versorgung sind Sepiaschale, saubere Eierschale oder klar deklarierter Futterkalk einfacher einzuschätzen.
Kalk im Bodengrund
Ein geeigneter Bodengrund dient den Schnecken zum Kriechen, Graben, Ruhen und zur Eiablage. Seine Beschaffenheit lässt sich daher nicht auf den Kalkgehalt reduzieren.
Bei einer vorübergehend gepflegten verletzten Weinbergschnecke muss die Erde nicht zwingend aufgekalkt werden. Eine separate Kalkquelle reicht für diesen Zeitraum aus.
In einem dauerhaft eingerichteten Terrarium sollte der Boden zur gehaltenen Art passen. Stark saurer Bodengrund ist für kalkliebende Arten ungünstig. Reiner, unbehandelter Kokoshumus kann je nach Produkt eher sauer ausfallen und wird deshalb häufig mit geeigneter Erde kombiniert.
Der Boden darf nicht so stark mit Kalk versetzt werden, dass er staubt oder seine lockere Struktur verliert. Mehr Pulver macht aus ungeeignetem Bodengrund keinen guten Bodengrund.
Wie Erde, Laub und Kokoshumus sinnvoll kombiniert werden, steht im Beitrag Bodengrund für Weinbergschnecken.
Kalk bei Gehäuseschäden
Nach einem Gehäusebruch sollte eine geeignete Kalkquelle jederzeit erreichbar sein. Die Schnecke verwendet Calcium für neu gebildetes Schalenmaterial. Sie muss deshalb aber nicht mit Kalk zwangsernährt werden.
In die Krankenstation gehören:
- mindestens eine gut erreichbare Kalkquelle
- geeignetes, abwechslungsreiches Futter
- leicht feuchter Bodengrund
- gute Belüftung
- Ruhe
Kalk repariert kein zerstörtes Organ und ersetzt keine sichere Unterbringung. Bei einer schweren Verletzung hängt die Überlebenschance davon ab, wie viel Gehäuse erhalten ist und ob Mantel und innere Organe unverletzt geblieben sind.
Auch eine große Menge Kalk kann ein vollständig fehlendes Haus bei einer Weinbergschnecke nicht ersetzen.
Den Umgang mit frischen Schäden erkläre ich in Schnecke zertreten oder Schneckenhaus gebrochen: Erste Hilfe bei Gehäuseschäden.
Wie viel Kalk braucht eine verletzte Schnecke?
Eine feste Grammangabe ist in der privaten Haltung weder praktikabel noch nötig. Gewicht, Art, Alter, Gehäusegröße und Schwere der Verletzung unterscheiden sich von Tier zu Tier.
Die Schnecke erhält freien Zugang zu Sepia, Eierschale oder Futterkalk. Frisst sie an einem Tag auffällig viel davon, ist das kein Grund, die Quelle anschließend wegzunehmen.
Ebenso muss eine Sepiaschale nicht täglich sichtbar kleiner werden. Manche Tiere raspeln nur wenig, andere hinterlassen innerhalb kurzer Zeit deutliche Mulden.
Wichtiger als das tägliche Abwiegen ist die Frage, ob der Kalk sauber, erreichbar und ständig vorhanden ist.
Jungschnecken und Kalk
Jungschnecken bauen ihr Gehäuse während des Wachstums fortlaufend aus. Eine gut erreichbare Kalkquelle gehört deshalb von Anfang an in die Aufzuchtbox.
Große Sepiastücke dürfen angeboten werden. Die kleinen Tiere können auch daran raspeln. Für eine bessere Verteilung lassen sich mehrere kleinere Stücke in der Box auslegen.
Bei Eierschalen reichen flache Bruchstücke. Ein Teil kann etwas feiner zerbrochen werden, staubiges Pulver ist nicht erforderlich.
Besonders bei Jungtieren fällt ein schlechter Gehäuseaufbau schnell auf. Der frische Wachstumsrand ist von Natur aus dünner und empfindlicher als ältere Gehäusebereiche. Er darf daher nicht mit einem schweren, ausgewachsenen Gehäuse verglichen werden.
Kalkbedarf während der Eiablage
Die Bildung der Eier kostet die Schnecke Mineralstoffe. In der Fortpflanzungszeit sollte deshalb besonders darauf geachtet werden, dass mehrere saubere Kalkquellen vorhanden sind.
Das bedeutet nicht, dass eine paarungsbereite Schnecke mit Kalkpulver gefüttert werden muss. Die freie Aufnahme bleibt bestehen.
Nach der Eiablage können manche Tiere geschwächt wirken oder sich längere Zeit zurückziehen. Futter und Kalk werden gut erreichbar angeboten. Das Tier wird nicht ausgegraben oder ständig umgesetzt, solange kein konkreter Grund dafür besteht.
Woran lässt sich ein möglicher Kalkmangel erkennen?
Ein dünnes, ungewöhnlich weiches oder brüchiges Gehäuse kann mit einer unzureichenden Kalkversorgung zusammenhängen. Eine einzelne Unebenheit beweist jedoch keinen Kalkmangel.
Auch diese Ursachen kommen infrage:
- mechanische Beschädigung
- natürlicher, noch weicher Wachstumsrand
- ungeeigneter oder zu saurer Bodengrund
- Alter des Tieres
- frühere Haltungsbedingungen
- längere Mangelversorgung vor der Aufnahme
- Erkrankung oder starke allgemeine Schwächung
Ein altes Gehäuse wird durch eine Sepiaschale nicht wieder glatt und makellos. Bereits vorhandene Narben bleiben sichtbar. Neue Schale kann stabil nachwachsen, sieht aber häufig anders aus als der ursprüngliche Bereich.
Bei einer Verletzung ist deshalb der Verlauf wichtiger als die Frage, ob das Gehäuse nach einigen Tagen wieder schön aussieht.
Zu viel Kalk?
Solange Kalk getrennt angeboten wird, kann die Schnecke selbst wählen. Probleme entstehen eher dann, wenn jedes Futter zwangsweise damit überzogen wird oder große Mengen ungeeigneten Kalks in Boden und Wasser gelangen.
Kalkpulver auf feuchtem Gemüse bildet eine Paste. Das Tier nimmt sie zwangsläufig mit dem Futter auf. Gleichzeitig lässt sich kaum beobachten, ob die Schnecke wegen des Gemüses oder wegen des Kalks frisst.
Auch das tägliche Baden in Kalkwasser ist unnötig. Eine flache Schale mit Kalkbrei kann als freiwilliges Angebot im Gehege stehen. Die Schnecke wird nicht hineingesetzt.
Heilerde ersetzt keine Kalkquelle
Heilerde und Kalk erfüllen nicht dieselbe Aufgabe. Heilerde kann separat als Brei oder in einer flachen Schale angeboten werden. Sie ersetzt weder Sepia noch Eierschale oder Futterkalk.
Umgekehrt muss eine Schnecke keine Heilerde erhalten, damit sie Kalk verwerten kann.
Beide Angebote werden getrennt voneinander und getrennt vom Futter bereitgestellt. So kann das Tier selbst entscheiden, was es aufsucht.
Welche Kalkquelle ist am praktischsten?
Für den Alltag ist Sepiaschale besonders unkompliziert. Sie bleibt gut sichtbar, lässt sich reinigen und wird nicht sofort im Boden verteilt.
Eierschalen sind eine kostenlose Alternative und können gemeinsam mit Sepia angeboten werden. Futterkalk eignet sich für eine zusätzliche Schale oder einen Kalkbrei.
Es muss nicht jeden Tag eine andere Quelle sein. Zwei oder drei Varianten im selben Terrarium schaden nicht, solange sie sauber und sicher angeboten werden.
Eine einfache Ausstattung besteht aus:
- einem größeren Stück Sepiaschale
- einigen sauberen Eierschalenstücken
- einer flachen Schale für Futterkalk
Passende leichte Futterschalen für Terrarien können auch als Kalkschalen verwendet werden. Schwere Keramikgefäße sind wegen der Sturzgefahr keine gute Wahl.
Kalkquellen sauber halten
Sepia und Eierschalen liegen oft mehrere Tage oder Wochen im Gehege. Sie werden regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf mit klarem Wasser abgespült.
Futterreste dürfen nicht darunter faulen. Bei der Reinigung wird deshalb auch unter größeren Sepiastücken nachgesehen.
Eine stark verschmutzte Sepiaschale kann mit einer eigenen weichen Reinigungsbürste bearbeitet werden. Reinigungsmittel sind nicht nötig.
Futterkalk in einer Schale wird ersetzt, sobald er nass, klumpig oder mit Erde und Kot vermischt ist. Kleine Portionen verursachen dabei weniger Abfall als eine randvoll gefüllte Schale.
Kalkversorgung muss nicht kompliziert sein. Eine ständig erreichbare, separat angebotene Quelle gibt der Schnecke die Möglichkeit, ihren Bedarf selbst zu decken. Entscheidend sind geeignete Produkte und der Verzicht auf erzwungene Dosierungen über das Futter.
Mehr über Gehäuseaufbau, Ernährung, Haltung und die Entwicklung von Weinbergschnecken findest du in meinem Buch „Faszination Weinbergschnecken“.
Wenn du unsicher bist, ob eine Kalkquelle geeignet ist oder ob das Gehäuse deiner Schnecke auffällig aussieht, kannst du ein scharfes Foto und Angaben zur Haltung in der Facebook-Gruppe „Weinbergschneckenfreunde“ zeigen.
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