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Stammbaum erstellen: Anleitung für Anfänger

Ein Schreibtisch mit Familienfotos, Kaffee und einem Laptop mit einer Anleitung zur Erstellung eines Stammbaums – ein gemütlicher Arbeitsplatz für Anfänger

Ein Stammbaum sieht am Anfang harmlos aus.

Du selbst. Zwei Eltern. Vier Großeltern. Vielleicht kennst du sogar noch alle acht Urgroßeltern und denkst: Na bitte, läuft doch.

Dann taucht die erste Anna Maria auf, die in einer Urkunde plötzlich nur noch Marie heißt. Der Urgroßvater wurde laut Familie 1896 geboren, laut Sterbeurkunde aber 1897. Zwei Männer im selben Dorf heißen Johann Friedrich Müller und beide haben ungefähr im richtigen Jahr geheiratet.

Willkommen bei der Ahnenforschung.

Ein Stammbaum ist deshalb viel mehr als eine hübsche Ansammlung von Kästchen. Gut geführt wird er zum Gerüst deiner gesamten Familienforschung. Dort hältst du fest, welche Menschen zusammengehören, wann und wo sie gelebt haben und vor allem: Woher du das eigentlich weißt.

Ob du dafür Papier, ein Genealogieprogramm oder eine Online-Plattform benutzt, ist zunächst zweitrangig. Viel wichtiger ist, dass du von Anfang an sauber arbeitest.

Wo beginnt ein Stammbaum?

Bei dir.

Nicht beim ältesten Menschen, dessen Namen du irgendwo in einem fremden Stammbaum gefunden hast.

Das klingt banal, verhindert aber erstaunlich viele Fehler.

Trage zuerst deine eigenen Daten ein, anschließend deine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern. Danach arbeitest du Generation für Generation rückwärts.

Die Grundstruktur sieht so aus:

GenerationAnzahl direkter Vorfahren
Eltern2
Großeltern4
Urgroßeltern8
Ururgroßeltern16
3× Urgroßeltern32
4× Urgroßeltern64

Theoretisch verdoppelt sich die Zahl in jeder Generation.

In der Praxis wird es irgendwann komplizierter, weil dieselben Menschen über verschiedene Linien mehrfach im Stammbaum auftauchen können. Gerade in kleinen Orten heirateten entfernte Verwandte durchaus untereinander. Aus einem mathematisch hübschen Baum wird dann eher ein Gewächs mit zusammengewachsenen Ästen.

Für den Anfang interessiert uns das aber noch nicht.

Welche Angaben gehören in einen Stammbaum?

Mit „Opa Karl“ kommt man genealogisch nicht besonders weit.

Für jede Person solltest du möglichst dieselben Grundinformationen erfassen:

vollständiger Name

Geburtsname

Geburtsdatum und Geburtsort

Taufdatum und Taufort, wenn vorhanden

Heiratsdatum und Heiratsort

Name des Ehepartners

Sterbedatum und Sterbeort

Beerdigungsort

Beruf

Konfession, soweit für die Recherche relevant

frühere Wohnorte

Eltern und Kinder

Quellen zu den jeweiligen Angaben

Gerade bei Frauen gehört der Geburtsname unbedingt dazu. Wenn Maria Schmidt einen Herrn Weber heiratet, wirst du ihren Taufeintrag kaum unter Maria Weber finden.

Wer zunächst analog arbeiten möchte, findet Stammbaum-Bücher und Familienchroniken zum Ausfüllen bei Amazon (Werbelink) . Für die ersten Generationen ist so ein Buch durchaus angenehm, vor allem wenn man gemeinsam mit Eltern oder Großeltern daran sitzt.

Schreibe niemals eine Vermutung als Tatsache auf

Das ist vermutlich die wichtigste Regel dieses ganzen Artikels.

Wenn du weißt:

„Geboren 12. März 1884“

dann schreibst du das.

Wenn du nur weißt:

„Geboren ungefähr 1884“

dann schreibst du genau das.

Und wenn Tante Hilde sagt:

„Der müsste so um 1884 herum geboren sein“

ist das zunächst eine mündliche Familieninformation und kein amtlich belegtes Geburtsdatum.

Das klingt nach Haarspalterei. Spätestens wenn du drei namensgleiche Männer im selben Landkreis hast, ist es das nicht mehr.

Ich unterscheide deshalb gedanklich zwischen drei Dingen:

StatusBeispiel
belegtGeburtsregister nennt den 12.03.1884
wahrscheinlichmehrere Quellen deuten auf 1884
unbestätigtFamilienerzählung nennt ungefähr 1884

Du musst dafür kein kompliziertes Bewertungssystem erfinden. Es sollte nur später noch erkennbar sein, was du tatsächlich belegt hast.

Papier oder digital?

Beides hat seine Berechtigung.

Ein Stammbaum auf Papier ist unmittelbar verständlich. Man sieht Familienbeziehungen auf einen Blick, kann ihn auf dem Tisch ausbreiten und mit Verwandten gemeinsam durchgehen.

Bei zwanzig Personen funktioniert das wunderbar.

Bei zweihundert wird es sportlich.

Große Ahnentafeln und Stammbaum-Poster zum Ausfüllen gibt es bei Amazon (Werbelink). Ich mag solche Tafeln besonders als Übersicht. Für die eigentliche Forschungsdokumentation würde ich mich allerdings nicht ausschließlich darauf verlassen.

Denn irgendwann kommen Geschwister hinzu. Mehrere Ehen. Kinder aus verschiedenen Beziehungen. Quellen. Fotos. Wohnorte. Notizen. Ungeklärte Identitäten.

Dann freut man sich über eine Suchfunktion.

Drei Möglichkeiten, einen Stammbaum zu führen

MethodeVorteilNachteil
Papierübersichtlich, einfach, schön als Familienchronikbei großen Familien schnell unhandlich
Genealogie-Softwareviele Daten, Quellen und Beziehungen strukturiert verwaltbarEinarbeitung und eigene Datensicherung nötig
Online-Stammbaumvon überall erreichbar, automatische Treffer möglichDaten liegen beim Anbieter, Funktionen teils kostenpflichtig

Es gibt übrigens keinen Grund, sich für genau eine Variante zu entscheiden.

Du kannst deinen eigentlichen Forschungsstammbaum digital führen und zusätzlich eine schöne Ahnentafel für zu Hause erstellen.

Das eine ist Arbeitsmaterial.

Das andere darf hübsch sein.

Einen Stammbaum mit MyHeritage erstellen

MyHeritage verbindet den Stammbaum direkt mit seiner genealogischen Datenbank.

Das wird interessant, sobald du einige Personen eingetragen hast. Die Plattform kann dann nach möglichen Übereinstimmungen in historischen Aufzeichnungen und anderen Stammbäumen suchen.

Wenn bereits ein Stammbaum aus einem anderen Programm vorhanden ist, kann er über eine GEDCOM-Datei zu MyHeritage übertragen werden. MyHeritage bezeichnet GEDCOM selbst als das am weitesten verbreitete Austauschformat für genealogische Daten. Namen, Daten und andere Textinformationen können darin übertragen werden; Fotos und andere Mediendateien sind nicht Bestandteil der GEDCOM-Datei selbst.

Das ist ein Punkt, den ich wichtig finde.

Der Stammbaum sollte dir gehören. Nicht einer Plattform.

Eine GEDCOM-Sicherung macht dich deutlich unabhängiger, falls du irgendwann mit einem anderen Programm weiterarbeiten möchtest.

Was ist eine GEDCOM-Datei?

GEDCOM ist vereinfacht gesagt ein Austauschformat für Stammbäume.

Stell dir vor, du hast jahrelang 1.500 Personen in einer Software gesammelt und möchtest plötzlich wechseln.

Niemand möchte diese 1.500 Menschen noch einmal von Hand eintippen.

Viele Genealogieprogramme können deshalb Stammbäume als GEDCOM exportieren und solche Dateien wieder importieren. MyHeritage unterstützt diesen Import sowohl online als auch im eigenen Family Tree Builder.

Trotzdem würde ich nach einem Wechsel immer kontrollieren, ob alles sauber angekommen ist.

Besonders Medien, Notizen, Quellenverknüpfungen und programmspezifische Felder können sich zwischen verschiedenen Systemen unterscheiden.

FamilySearch: kostenlos, aber mit einem wichtigen Unterschied

FamilySearch bietet kostenlos einen Online-Stammbaum und Zugang zu sehr umfangreichen genealogischen Quellen. Dabei handelt es sich allerdings um einen gemeinschaftlich genutzten Stammbaum.

Das bedeutet: Für verstorbene Personen soll grundsätzlich ein gemeinsames öffentliches Profil entstehen, an dem mehrere Forscher arbeiten können. Angaben zu lebenden Personen bleiben dagegen für andere Nutzer verborgen.

Das hat Vorteile.

Vielleicht hat jemand aus einem anderen Familienzweig längst Dokumente gefunden, die dir fehlen.

Es hat aber auch einen Nachteil: Andere Menschen können an denselben Profilen arbeiten.

Wenn du einen vollständig privaten Arbeitsstammbaum möchtest, über den ausschließlich du bestimmst, solltest du diesen Unterschied kennen.

FamilySearch selbst ist kostenlos und ermöglicht neben dem Stammbaum die Recherche in historischen Aufzeichnungen, digitalisierten Unterlagen, Büchern und bereits vorhandenen Genealogien.

Als zusätzliche Recherchequelle würde ich die Plattform deshalb fast immer mitnehmen.

Muss ich für einen Stammbaum überhaupt Geld ausgeben?

Nein.

Für die ersten Generationen brauchst du möglicherweise gar nichts.

Du kannst Papier nehmen.

Eine Tabelle anlegen.

FamilySearch verwenden.

Kostenlose Genealogieprogramme ausprobieren.

Familienunterlagen durchsuchen.

Geld wird meistens erst dann interessant, wenn du Zugriff auf bestimmte Datenbanken brauchst, Kopien aus Archiven bestellst, Kirchenbuchportale nutzt oder DNA-Tests hinzunimmst.

Ich würde deshalb keinen Jahresvertrag abschließen, bevor ich überhaupt weiß, wonach ich suche.

Erst Stammbaum anfangen.

Dann Lücken erkennen.

Dann gezielt nach der Quelle suchen, die diese Lücke schließen könnte.

Andersherum bezahlt man sehr schnell für eine riesige Datenbank und verbringt den ersten Abend damit, den eigenen Großvater einzutragen.

Quellen gehören direkt zur Person

Angenommen, du hast folgenden Eintrag:

Karl Friedrich Müller
geboren 4. Mai 1878 in Heidelberg

Woher kommt dieses Datum?

Aus seiner Geburtsurkunde?

Aus einem Kirchenbuch?

Vom Grabstein?

Aus einer Todesanzeige?

Aus dem Stammbaum eines Fremden?

Von Oma?

Das macht einen erheblichen Unterschied.

Schreibe Quellen deshalb möglichst sofort auf.

Wenn du analog arbeitest, kann ein Genealogie-Organizer oder Ahnenforschungsordner bei Amazon (Werbelink) helfen. Entscheidend ist weniger das konkrete System als die Tatsache, dass du überhaupt eines benutzt.

Ich würde beispielsweise für jede Person beziehungsweise Familie festhalten:

welches Dokument vorliegt

woher es stammt

welches Archiv oder Standesamt zuständig war

Signatur oder Registernummer

Datum der Recherche

offene Fragen

Das klingt am Anfang furchtbar ordentlich.

Warte, bis du zweihundert Personen hast.

Dann klingt es plötzlich ausgesprochen vernünftig.

Speichere nicht nur Namen, sondern Dokumente

Wenn du eine historische Urkunde findest, speichere nach Möglichkeit auch das Bild oder eine zulässige Kopie davon.

Dasselbe gilt für Familienfotos, Sterbeanzeigen, Briefe und andere Dokumente.

Und benenne Dateien so, dass du sie später noch findest.

„Scan000384_final_neu2.jpg“ wird dein zukünftiges Ich nicht begeistern.

Besser wäre beispielsweise:

1884-03-12_Geburt_Maria-Koenig_Karlsruhe.jpg

oder

1921-06-04_Heirat_Koenig-Weber_Mannheim.jpg

Schon der Dateiname sagt dann, was darin steckt.

Für Originale zu Hause würde ich alte Fotografien und Papiere nicht einfach in normale Klarsichthüllen stopfen. Wer Familienunterlagen längerfristig aufbewahren möchte, kann sich säurefreie Archivboxen und archivgeeignete Fotohüllen bei Amazon (Werbelink) ansehen.

Ein Familienfoto von 1912 hat bereits mehr als hundert Jahre überstanden. Es wäre ein etwas unrühmliches Ende, wenn ausgerechnet unsere PVC-Hülle den Rest erledigt.

Was mache ich mit unbekannten Personen auf Fotos?

Nicht wegwerfen.

Auch dann nicht, wenn derzeit niemand weiß, wer darauf zu sehen ist.

Scanne das Foto.

Fotografiere auch die Rückseite.

Notiere, aus welchem Nachlass oder Album es stammt.

Und frage ältere Familienmitglieder möglichst bald.

„Irgendwann“ ist bei Familienforschung leider ein ziemlich schlechter Termin.

Menschen, die noch wissen, wer „Tante Frieda aus Pforzheim“ war, stehen nicht unbegrenzt als Datenbank zur Verfügung.

Ein Fotoscanner oder Dokumentenscanner bei Amazon (Werbelink) kann sinnvoll werden, wenn wirklich ganze Kisten alter Bilder vorhanden sind. Für ein paar einzelne Fotos reicht meist ein vorhandener guter Scanner oder eine sorgfältige Reproduktion.

Namen sind weniger eindeutig, als man denkt

Einer der schönsten Momente für Anfänger ist der Augenblick, in dem ein gesuchter Mensch plötzlich anders heißt.

Anna Elisabeth wird Elisabeth.

Johann Friedrich wird Friedrich.

Catharina wird Katharina.

Ein Familienname bekommt innerhalb weniger Jahrzehnte drei Schreibweisen.

Das ist völlig normal.

Historische Namensschreibungen waren nicht immer so festgelegt, wie wir das heute gewohnt sind. Hinzu kommen Handschrift, Dialekt, Übertragungsfehler und unterschiedliche Schreibgewohnheiten.

Deshalb würde ich bei Suchanfragen Varianten ausprobieren.

Bei Frauen immer auch den Geburtsnamen.

Bei Vornamen Rufnamen und weitere Taufnamen.

Bei Familiennamen ähnliche Schreibweisen.

Und wenn du irgendwann vor einem Kirchenbuch sitzt und nicht einmal mehr sicher bist, ob der erste Buchstabe ein H, K oder besonders schlecht gelauntes B ist, helfen Übungsbücher für Kurrent und Sütterlin bei Amazon (Werbelink).

Das Lesen alter Handschrift ist Übungssache. Wirklich.

Am Anfang sieht alles aus, als hätte jemand mit einer nassen Spinne geschrieben.

Irgendwann erkennt man tatsächlich Wörter.

Vorsicht vor automatisch wachsenden Stammbäumen

Online-Plattformen sind hervorragend darin, Treffer vorzuschlagen.

Das ist praktisch.

Es ist aber auch der schnellste Weg zu einem beeindruckend großen und beeindruckend falschen Stammbaum.

Du bekommst einen Vorschlag.

Name passt.

Geburtsjahr ungefähr auch.

Ort liegt nur dreißig Kilometer entfernt.

Im fremden Stammbaum stehen bereits die Eltern.

Und deren Eltern.

Und plötzlich sitzt dein Stammbaum im Jahr 1650.

Das fühlt sich produktiv an.

Bis man feststellt, dass der erste übernommene Johann Müller der falsche Johann Müller war.

Dann kannst du dreihundert Jahre Familiengeschichte wieder ausbauen.

Automatische Hinweise sind Hinweise.

Mehr nicht.

Ich übernehme eine Person erst, wenn die Verbindung plausibel und möglichst über Originalquellen oder wenigstens belastbare historische Datensätze nachvollziehbar ist.

Was ist eine Primärquelle und was nicht?

Ganz streng wissenschaftlich kann man darüber lange diskutieren. Für den Alltag reicht eine einfache Unterscheidung.

Ein zeitnah entstandener Originaleintrag wie ein Geburtsregister, Kirchenbucheintrag oder Heiratsregister ist in der Regel erheblich gewichtiger als ein Stammbaum, den jemand hundert Jahre später zusammengestellt hat.

Aber auch historische Dokumente können Fehler enthalten.

Ein Todesregister nennt beispielsweise Angaben zur Geburt eines Menschen, die Jahrzehnte zurückliegt. Derjenige, der den Tod meldete, konnte sich beim Geburtsort irren.

Eine Geburtsurkunde entstand dagegen unmittelbar rund um die Geburt.

Deshalb lohnt es sich, Angaben aus verschiedenen Quellen miteinander zu vergleichen.

Wenn Geburtseintrag, Heiratseintrag und Sterbeurkunde drei verschiedene Geburtsjahre nennen, haben wir keine Katastrophe.

Wir haben eine Forschungsfrage.

Geschwister gehören mit in den Stammbaum

Viele Anfänger verfolgen ausschließlich die direkte Linie.

Vater.

Großvater.

Urgroßvater.

Ururgroßvater.

Das ist verständlich, verschenkt aber Informationen.

Geschwister können entscheidend sein.

Vielleicht fehlt im Taufeintrag deines Vorfahren der Herkunftsort der Mutter.

Im Eintrag seiner Schwester steht er.

Vielleicht ist eine Handschrift kaum lesbar.

Beim nächsten Kind schrieb der Pfarrer sauberer.

Vielleicht wanderte dein direkter Vorfahr aus.

Sein Bruder blieb im Heimatort und hinterließ deutlich mehr Unterlagen.

Familienforschung funktioniert deshalb häufig seitwärts.

Nicht nur rückwärts.

Auch zweite Ehen und früh verstorbene Kinder gehören dazu

Ein Stammbaum ist keine Ahnentafel mit ausschließlich den Menschen, die biologisch direkt zu dir führen.

Wenn du Familiengeschichte verstehen möchtest, gehören auch weitere Ehen, Geschwister und Kinder hinein.

Gerade frühere Gesellschaften lassen sich sonst kaum verstehen.

Eine Frau heiratet 1872.

Der Mann stirbt 1875.

Sie heiratet 1877 erneut.

Kinder aus beiden Ehen leben im selben Haushalt.

Wenn du die erste Ehe weglässt, sieht die Familie später plötzlich völlig unverständlich aus.

Dasselbe gilt für Kinder, die nur wenige Tage oder Monate lebten.

Sie waren Teil dieser Familie.

Also gehören sie auch in ihre Geschichte.

Wie weit sollte man einen Stammbaum zurückverfolgen?

So weit, wie die Quellen tragen.

Nicht so weit, wie irgendein Internetstammbaum behauptet.

Für manche deutschen Familienlinien sind Kirchenbücher bis ins 16. oder 17. Jahrhundert erhalten.

Andere Linien enden deutlich später.

Ein uneheliches Kind kann eine Linie zunächst abbrechen lassen.

Ein zerstörtes Kirchenbuch ebenfalls.

Migration kann die Suche erschweren.

Und irgendwann werden Quellen schlicht dünn.

Dann ist Schluss.

Das ist kein gescheiterter Stammbaum.

Ein sauber belegter Stammbaum bis 1780 ist mir hundertmal lieber als einer bis Karl den Großen, bei dem ungefähr ab 1823 niemand mehr erklären kann, woher die Verbindungen stammen.

Wie sichere ich meinen Stammbaum?

Mehrfach.

Wenn du ausschließlich online arbeitest, exportiere regelmäßig eine GEDCOM-Datei.

Wenn du mit Genealogie-Software arbeitest, sichere die Projektdatei.

Dokumente und Fotos gehören zusätzlich in eine normale Datensicherung.

Idealerweise liegen wichtige Familienunterlagen nicht ausschließlich auf einem einzigen Laptop.

Ein Stammbaum, an dem zehn Jahre gearbeitet wurde, ist kein guter Kandidat für „Ich glaube, die Festplatte macht seit gestern komische Geräusche“.

Wer größere Mengen digitalisiert, findet externe Festplatten für Backups bei Amazon (Werbelink). Für besonders wichtige Daten würde ich trotzdem nie nur eine einzige Kopie verwenden.

Was brauche ich für den Anfang wirklich?

Erstaunlich wenig.

Du brauchst die Informationen, die in deiner Familie bereits vorhanden sind.

Ein System, in dem du sie festhältst.

Und die Bereitschaft, eine leere Stelle auch einmal leer zu lassen.

Das Letzte ist schwieriger, als es klingt.

Menschen mögen vollständige Stammbäume. Ein leeres Feld fühlt sich an, als müsste dort dringend etwas hinein.

Muss es nicht.

„Unbekannt“ ist eine vollkommen legitime genealogische Angabe.

Viel legitimer als der erstbeste Johann Friedrich aus dem Nachbardorf.

Wenn du gerade anfängst, reichen deshalb ein kleiner Stammbaum, deine Familienunterlagen und eine einzige konkrete Frage.

Wie hieß die Mutter meiner Urgroßmutter?

Wo wurde mein Urgroßvater geboren?

Wann heirateten meine Ururgroßeltern?

Beantworte eine davon sauber.

Dann die nächste.

So wächst ein Stammbaum langsamer, als wenn man fremde Bäume mit einem Klick übernimmt.

Dafür wächst am Ende tatsächlich deine Familie darin.

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