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Was fressen Weinbergschnecken? Die praxistaugliche Futterliste

Eine braune Weinbergschnecke unbekannter Herkunft kriecht auf einer Gurke in einem durchsichtigen Behälter

Weinbergschnecken brauchen kein kompliziertes Spezialfutter. In der Natur finden sie ihre Nahrung auf Pflanzen, im Laub, an Zweigen und auf feuchten Oberflächen. Sie fressen Algenbewuchs, Flechten, Pilze sowie frische und bereits welkende Pflanzenteile.

Gerade das Welke ist wichtig. Eine Weinbergschnecke stürzt sich nicht zwangsläufig auf ein knackiges Salatblatt. Oft wird ein weiches Blatt, das bereits einen Tag im Terrarium liegt, viel lieber gefressen. Beobachtungen im Freiland bestätigen diese Vorliebe: Bei Helix pomatia entfiel ein großer Teil der erfassten Fressvorgänge auf Pflanzenstreu, Brennnesseln wurden ebenfalls auffallend häufig gewählt. Die Untersuchung wurde 2023 im Journal of Natural History veröffentlicht.

Im Terrarium sollte das Futter deshalb nicht nur aus Gurke und Kopfsalat bestehen. Beides wird zwar gern angenommen, liefert aber keine ausreichende Abwechslung.

Futter, das Weinbergschnecken fressen können

Die folgende Liste beruht auf meiner eigenen Haltung und den Erfahrungen aus der Facebook-Gruppe „Weinbergschneckenfreunde“. Trotzdem hat jede Schnecke ihre Vorlieben. Was ein Tier sofort frisst, kann ein anderes tagelang ignorieren.

Wildkräuter und Blätter

Wildkräuter gehören zu den wertvollsten Bestandteilen der Fütterung. Sie wachsen während eines großen Teils des Jahres kostenlos und entsprechen eher dem natürlichen Nahrungsspektrum als täglich angebotene Gurkenscheiben.

Geeignet sind unter anderem:

  • Brennnesseln
  • Löwenzahn
  • Klee
  • Rotklee
  • Spitzwegerich
  • Breitwegerich
  • Brombeerblätter
  • Ahornblätter

Klee und Rotklee werden besonders von Weinbergschnecken häufig gut angenommen. Bei Brennnesseln lohnt es sich, frische und bereits angewelkte Blätter auszuprobieren. Manche Tiere fressen sie erst, wenn die Blattstruktur weicher geworden ist.

Die Pflanzen dürfen an den Stielen oder als einzelne Blätter ins Terrarium gelegt werden. Sie müssen nicht klein geschnitten werden. Weinbergschnecken raspeln selbstständig die Stellen ab, die ihnen zusagen.

Gesammelt wird fern von stark befahrenen Straßen, gespritzten Feldern und häufig genutzten Hundestrecken. Bei unbekannten Pflanzen reicht eine Vermutung nicht. Was sich nicht sicher bestimmen lässt, bleibt draußen.

Blätter aus dem Gemüsegarten

Viele Pflanzenteile, die in der Küche kaum verwendet werden, sind gutes Schneckenfutter. Dazu gehören:

  • Kohlrabiblätter
  • Möhrengrün
  • Radieschenblätter
  • äußere Salatblätter
  • weiche Blätter von geeignetem Gartengemüse

Die Blätter werden gründlich mit Wasser abgespült. Welke Stellen müssen nicht abgeschnitten werden, solange sie nicht faulen oder schimmeln.

Möhrengrün und Kohlrabiblätter bleiben im Terrarium meist länger frisch als aufgeschnittenes Gemüse. Sie lassen sich deshalb gut über Nacht anbieten.

Gemüse für Weinbergschnecken

Bei Gemüse kann viel ausprobiert werden. Es wird roh, ungewürzt und in überschaubaren Mengen angeboten.

In meiner Fütterung kommen unter anderem infrage:

  • Karotte
  • Gurke
  • Süßkartoffel
  • Paprika
  • verschiedene Salate
  • Kohlrabi
  • Radieschen
  • Zucchini
  • Kürbis

Karotten und Süßkartoffeln können in dünne Scheiben geschnitten oder grob geraspelt werden. Geraspeltes Gemüse trocknet schneller aus und muss entsprechend früher entfernt werden. Eine dickere Scheibe bleibt länger frisch.

Gurke wird von vielen Schnecken sofort angenommen. Sie enthält jedoch sehr viel Wasser. Wer fast ausschließlich Gurke füttert, bietet zwar reichlich Masse, aber wenig Abwechslung. Sie ist ein Futterbestandteil und keine vollständige Ernährung.

Paprika, Kürbis und Süßkartoffel halten im Terrarium meist länger als weiches Obst. Trotzdem wird täglich geprüft, ob sich Geruch, Oberfläche oder Konsistenz verändert haben.

Feuchte Gemüsestücke können auf flachen, leichten Futterschalen angeboten werden. So werden sie nicht tief in den Bodengrund gedrückt und lassen sich leichter entfernen.

Salat ist nicht gleich Salat

Kopfsalat und Eisbergsalat werden häufig als klassisches Schneckenfutter angesehen. Die Tiere fressen sie, doch eine abwechslungsreiche Fütterung lässt sich darauf nicht aufbauen.

Kräftigere Blattsalate, äußere Salatblätter und leicht angewelkte Blätter sind meist interessanter. Ein Blatt muss nicht entsorgt werden, sobald es nicht mehr knackig ist. Wird es weich, kann es für Weinbergschnecken gerade erst attraktiv werden.

Es darf nur nicht in Fäulnis übergehen. Schleimige, gärende oder schimmelnde Blätter werden entfernt.

Obst nur in kleineren Mengen

Auch Obst wird gefressen. Geeignet sind beispielsweise:

  • Beeren
  • Apfel
  • Birne

Weiches Obst verdirbt im feuchten Terrarium schnell. Kleine Stücke reichen daher vollkommen aus. Was nicht gefressen wurde, wird spätestens entfernt, wenn es matschig wird, gärt oder Fruchtfliegen anzieht.

Sehr reife Birnen und Beeren können innerhalb kurzer Zeit zerfallen. Eine flache Schale hält den Saft vom Bodengrund fern.

Obst ist kein tägliches Muss. Wildkräuter, Blätter, Gemüse, Flechten und Pilze bieten bereits eine breite Auswahl.

Pilze

Pilze gehören zum natürlichen Nahrungsspektrum vieler Landschnecken. Im Terrarium können kleine Stücke geeigneter Speisepilze angeboten werden.

Pilze werden schnell weich und verändern ihren Geruch. Sie sollten deshalb nur in kleinen Mengen ins Gehege gelangen. Gefressen werden je nach Tier sowohl frische als auch leicht gealterte Stücke.

Unbekannte Wildpilze würde ich nicht allein für die Schnecken sammeln. Wer sich mit Pilzen nicht sicher auskennt, bleibt bei zweifelsfrei bestimmbaren Speisepilzen.

Flechten und Algenbewuchs

Flechten auf Zweigen und Rindenstücken sind eine oft übersehene Futterquelle. Gleiches gilt für natürlichen Algenbewuchs.

Geeignetes Material kann über längere Zeit im Terrarium bleiben. Die Schnecken raspeln daran und nutzen die Zweige zugleich zum Klettern. Besonders interessant sind:

  • dünne Äste mit Flechten
  • kleine Rindenstücke mit natürlichem Bewuchs
  • ältere Obstbaumzweige
  • Haselnusszweige
  • Walnusszweige

Zweige müssen nicht vollkommen sauber geschrubbt werden. Gerade der natürliche Belag ist der interessante Teil. Loser Schmutz und sichtbare Verunreinigungen werden entfernt.

Gesammelt wird nur an unbelasteten Stellen. Holz von gespritzten Obstbäumen oder direkt am Straßenrand gehört nicht ins Terrarium.

Dicke, schwere Äste werden sicher abgelegt. Sie dürfen nicht umkippen oder eine Schnecke einklemmen. Kleine, leichte Zweige sind für ein Terrarium meist völlig ausreichend.

Weiche und welke Pflanzenteile

Viele Weinbergschnecken bevorzugen Pflanzenmaterial, das bereits etwas weicher geworden ist. Auch der NABU Niedersachsen beschreibt die Nahrung von Helix pomatia überwiegend als welkende und frische Pflanzenteile.

Welkes Futter ist aber nicht dasselbe wie verdorbenes Futter.

Ein angewelktes Blatt:

  • verliert seine Spannung
  • wird weicher
  • riecht weiterhin nach Pflanze
  • zeigt keinen Schimmel
  • besitzt keine fauligen Stellen

Verdorbenes Futter wird schmierig, riecht gärend oder trägt sichtbaren Schimmel. Dann gehört es aus dem Terrarium.

Mit der Zeit entwickelt man ein gutes Gefühl dafür, welche Blätter noch gefressen werden und welche nur noch den Boden belasten.

Kräuter aus Küche und Garten

Verschiedene ungespritzte Kräuter können ausprobiert werden. Dabei zeigt sich besonders deutlich, wie unterschiedlich einzelne Tiere reagieren. Intensiv riechende Kräuter werden teilweise verschmäht, während andere Schnecken daran fressen.

Angeboten wird zunächst ein kleines Blatt. Bleibt es mehrere Tage vollständig unberührt, muss davon keine große Menge ins Gehege.

Gekaufte Kräutertöpfe sollten nicht direkt mitsamt ihrer Erde ins Terrarium gestellt werden. Sie können gedüngt oder behandelt worden sein. Die Blätter werden gründlich abgespült. Wer die ganze Pflanze einsetzen möchte, topft sie in ungedüngte, sichere Erde um und wartet vor dem Einsetzen einige Zeit.

Wie abwechslungsreich muss das Futter sein?

Nicht jeden Tag müssen zehn verschiedene Sorten im Terrarium liegen. Abwechslung entsteht über mehrere Tage.

Ein möglicher Rhythmus sieht so aus:

  • Wildkräuter und Laub bleiben als Grundangebot im Gehege.
  • Dazu kommt eine Gemüsesorte.
  • Nach ein oder zwei Tagen folgt eine andere Sorte.
  • Gelegentlich werden Pilze oder etwas Obst angeboten.
  • Zweige mit Flechten bleiben länger liegen.

So lässt sich schnell erkennen, was die Tiere tatsächlich fressen. Werden gleichzeitig große Mengen verschiedenster Lebensmittel angeboten, ist diese Beobachtung kaum möglich.

Wie häufig frisches Futter nötig ist, hängt von Temperatur, Tierzahl und Futtersorte ab. Saftiges Futter verdirbt schneller als trockene Blätter. Ein voller Napf sagt wenig darüber aus, ob die Tiere ausreichend versorgt sind. Entscheidend ist, was tatsächlich gefressen wird.

Futtermenge richtig einschätzen

Weinbergschnecken fressen nicht jeden Tag gleich viel. Nach einer aktiven Nacht kann deutlich mehr fehlen. Vor einer Ruhephase bleibt Futter teilweise vollständig unberührt.

Für den Anfang reichen kleine Portionen. Ist morgens alles verschwunden, wird beim nächsten Mal etwas mehr angeboten. Bleiben große Mengen liegen, wird reduziert.

Bei mehreren Schnecken sind zwei oder mehr Futterstellen sinnvoll. Ein Tier kann lange auf einer Scheibe sitzen, ohne andere absichtlich zu verdrängen. Eine zweite Futterstelle verhindert, dass kleinere Tiere warten müssen.

Reste werden regelmäßig entfernt. Wie sich das ohne ständige Komplettreinigung erledigen lässt, steht im Beitrag Schneckenterrarium reinigen: Kot, Futterreste und Bodengrund richtig pflegen.

Kalk gehört nicht über das Futter

Kalk ist für den Aufbau und Erhalt des Gehäuses wichtig. Trotzdem wird er nicht über Gurke, Salat oder anderes Futter gestreut.

Die Schnecken sollen selbst entscheiden können, wann und wie viel Kalk sie aufnehmen. Dafür liegt eine separate Kalkquelle im Terrarium.

Geeignet sind:

  • Eierschalen
  • Sepiaschale
  • Futterkalk in einem eigenen Gefäß

Eierschalen müssen nicht gemörsert werden. Die Tiere raspeln selbst davon ab. Eine Sepiaschale kann im Ganzen oder in größeren Stücken angeboten werden.

Selbst am Meer gesammelte Sepia muss vor der Verwendung ausreichend gewässert werden, damit Salzreste entfernt werden.

Ausführliche Hinweise zu den verschiedenen Quellen findest du unter Kalkversorgung bei Weinbergschnecken.

Heilerde wird ebenfalls separat angeboten

Heilerde kann als Brei oder in einer flachen Badeschale bereitgestellt werden. Sie wird nicht über das Futter gestreut.

Dafür wird eine kleine Menge reine Heilerde mit Wasser angerührt. Die Konsistenz darf weich sein, sollte aber keine tiefe Flüssigkeitsschicht bilden.

Nicht jede Schnecke nutzt das Angebot. Es kann einige Zeit unbeachtet bleiben und später plötzlich interessant werden. Die Schale wird gereinigt, sobald der Inhalt verschmutzt oder unangenehm riecht.

Was nicht in das Schneckenterrarium gehört

Lebensmittel für Menschen sind häufig gesalzen, gewürzt oder verarbeitet. Sie eignen sich nicht für Weinbergschnecken.

Nicht verfüttert werden:

  • gesalzene Lebensmittel
  • gewürzte Speisen
  • Essensreste mit Sauce
  • eingelegtes Gemüse
  • gesalzene Nüsse
  • Brot und Backwaren
  • Süßigkeiten
  • schimmelndes oder gärendes Futter
  • mit Pflanzenschutzmitteln belastete Pflanzen
  • unbekannte Pflanzen und Pilze

Auch Gemüse aus der Küche wird nicht verfüttert, wenn es bereits gewürzt, gesalzen oder mit Öl zubereitet wurde. Rohes, gründlich abgespültes Futter ist die sichere Lösung.

Müssen Obst und Gemüse geschält werden?

Eine Schale ist nicht grundsätzlich problematisch. Entscheidend ist, woher das Lebensmittel stammt und womit seine Oberfläche behandelt wurde.

Obst und Gemüse werden gründlich unter fließendem Wasser gewaschen. Bei gewachsten Früchten oder zweifelhafter Herkunft kann die Schale entfernt werden.

Stark beschädigte, faulige oder schimmelige Stellen werden nicht einfach weggeschnitten, um den Rest anschließend zu verfüttern. Solches Futter wird vollständig entsorgt.

Futter für eine verletzte Weinbergschnecke

Eine verletzte Schnecke benötigt keine besondere Wunddiät. Sie braucht erreichbares, geeignetes Futter und eine separat angebotene Kalkquelle.

Weiche Lebensmittel werden häufig leichter angenommen. Geeignet sind beispielsweise dünne Gurken- oder Süßkartoffelscheiben, Pilze, weiche Blätter und leicht angewelkte Wildkräuter.

Futter und Kalk liegen nah beim Tier, damit es keine langen Wege zurücklegen muss. Es wird trotzdem nicht ständig berührt oder direkt auf das Maul gesetzt. Ruhe ist während der Heilung ebenso wichtig wie die Versorgung.

Wer für einen solchen Fall vorbereitet sein möchte, findet die benötigten Dinge im Beitrag Erste-Hilfe-Set für verletzte Schnecken.

Woran erkennt man, was eine Schnecke gefressen hat?

Fraßspuren bestehen häufig aus unregelmäßig abgeschabten Flächen. Bei Blättern bleibt manchmal nur ein dünnes Netz aus festeren Blattadern stehen.

Auf Gemüsescheiben sind gebogene oder flächige Raspelspuren zu erkennen. Unter einer Lupe wirken sie wie viele feine, nebeneinanderliegende Linien. Eine Handlupe mit LED-Beleuchtung macht solche Spuren gut sichtbar.

Auch der Kot verrät viel über das Futter. Nach Karotte kann er orange sein, nach grünen Blättern dunkelgrün und nach heller Nahrung entsprechend blasser. Eine veränderte Kotfarbe ist nach einem Futterwechsel meist kein Grund zur Sorge.

Schnecken dürfen wählerisch sein

Eine Weinbergschnecke muss nicht jedes angebotene Lebensmittel fressen. Vorlieben verändern sich mit Jahreszeit, Aktivität und Entwicklungsphase.

Wird eine Futtersorte abgelehnt, bleibt genügend anderes geeignetes Futter verfügbar. Dabei lohnt es sich, dasselbe Blatt später noch einmal in angewelktem Zustand anzubieten. Manchmal ist nicht die Pflanze das Problem, sondern ihr Reifegrad.

Eine abwechslungsreiche Fütterung lässt den Tieren diese Wahl. Wildkräuter, Laub, Flechten und Zweige bilden die Grundlage. Gemüse ergänzt das Angebot. Obst und Pilze kommen in kleineren Mengen hinzu. Kalk und Heilerde bleiben in eigenen Schalen.

Mehr über Ernährung, Haltung, Verhalten und Gehäuseentwicklung findest du in meinem Buch „Faszination Weinbergschnecken“.

Wenn deine Schnecken ein bestimmtes Futter auffällig gern fressen oder konsequent verweigern, kannst du deine Beobachtung in der Facebook-Gruppe „Weinbergschneckenfreunde“ teilen.

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