Weinbergschnecken greifen sich normalerweise nicht gegenseitig an. Trotzdem passt nicht automatisch jede Schnecke zu jeder anderen.
Für eine sinnvolle Vergesellschaftung zählen nicht nur Art und Größe. Auch Herkunft, Gesundheitszustand, Aktivitätszeiten, Temperaturansprüche und Ruhephasen müssen zusammenpassen. Besonders vorsichtig sollte man bei neu aufgenommenen Fundtieren, Jungschnecken und verschiedenen Schneckenarten sein.
Wer erstmals mehrere Tiere halten möchte, findet die Grundlagen im Beitrag Weinbergschnecken einzeln oder in der Gruppe halten.
Welche Weinbergschnecken lassen sich am einfachsten zusammen halten?
Am unkompliziertesten ist eine Gruppe aus:
- derselben Schneckenart
- ähnlich großen Tieren
- gesunden und unverletzten Schnecken
- Tieren mit ähnlicher Herkunft
- Schnecken in einer vergleichbaren Entwicklungsphase
Eine Gruppe ausgewachsener Helix pomatia lässt sich wesentlich leichter beobachten und versorgen als ein bunt gemischter Bestand aus mehreren Arten, Größen und Altersstufen.
Das bedeutet nicht, dass jede andere Kombination zwangsläufig scheitert. Je unterschiedlicher die Tiere sind, desto mehr muss man jedoch beobachten und desto schwieriger wird es, für alle passende Bedingungen zu schaffen.
Brauchen Weinbergschnecken überhaupt Gesellschaft?
Weinbergschnecken sind keine Rudeltiere. Eine einzelne Schnecke vereinsamt deshalb nicht automatisch. Sie kann allein fressen, ruhen, klettern und ihren normalen Tätigkeiten nachgehen.
In einer Gruppe lassen sich allerdings deutlich mehr Verhaltensweisen beobachten. Die Tiere folgen Schleimspuren, treffen an Futterstellen aufeinander und haben die Möglichkeit zur Paarung.
Mehrere Schnecken bedeuten gleichzeitig:
- mehr Futterreste
- mehr Kot
- mehr Eier
- einen höheren Platzbedarf
- eine schnellere Verschmutzung
- ein größeres Risiko, eingeschleppte Probleme weiterzugeben
Eine Gruppenhaltung ist deshalb nicht grundsätzlich besser als eine Einzelhaltung. Sie muss lediglich zum vorhandenen Platz und zur Zeit passen, die man für Kontrolle und Pflege aufbringen kann.
Kann man Helix pomatia und Cornu aspersum zusammen halten?
Die einheimische Weinbergschnecke Helix pomatia und die Gefleckte Weinbergschnecke Cornu aspersum werden häufig gemeinsam als Weinbergschnecken bezeichnet. Es handelt sich trotzdem um unterschiedliche Arten.
Cornu aspersum ist meist kleiner und kann sich in Aktivität, Entwicklung und Reaktion auf Temperatur von Helix pomatia unterscheiden. Untersuchungen zeigen außerdem, dass sich selbst verschiedene Populationen von Cornu aspersum in ihrer Reaktion auf Wärme unterscheiden können. Die Herkunft eines Tieres spielt daher durchaus eine Rolle.
Eine gemeinsame Haltung kann funktionieren, wenn die Tiere tatsächlich ähnliche Bedingungen vertragen. Sie sollte aber nicht allein damit begründet werden, dass beide Arten Salat fressen und ungefähr gleich aussehen.
Vor einer gemeinsamen Unterbringung sollte man prüfen:
- Sind beide Arten sicher bestimmt?
- Sind die Tiere gesund?
- Sind ihre Aktivitäts- und Ruhephasen vergleichbar?
- Kommen beide mit Temperatur und Feuchtigkeit im Gehege zurecht?
- Gibt es genügend Bodenfläche?
- Kann jede Art notfalls wieder getrennt untergebracht werden?
- Lassen sich Eier und Jungtiere später noch richtig zuordnen?
Gerade bei der Winterruhe kann eine gemischte Haltung umständlich werden. Wenn sich eine Art bereits zurückzieht, während die andere noch aktiv ist, muss man auf beide Rücksicht nehmen. Ein zweites Gehege sollte deshalb immer verfügbar sein.
Warum die sichere Artenbestimmung so wichtig ist
Viele Landschnecken werden vorschnell als Weinbergschnecken bezeichnet. Eine runde Schale allein reicht für die Bestimmung aber nicht aus.
Je nach Art unterscheiden sich:
- endgültige Körper- und Gehäusegröße
- bevorzugte Temperaturen
- Ruhezeiten
- Feuchtigkeitsbedarf
- Fortpflanzung
- Entwicklung der Jungtiere
- rechtlicher Schutzstatus
Auch Schnecken aus Zoohandel und privater Nachzucht können unter einer falschen oder veralteten Artbezeichnung angeboten werden. Cornu aspersum ist beispielsweise noch häufig unter dem früher verwendeten Namen Helix aspersa zu finden.
Vor dem Zusammensetzen sollten möglichst deutliche Bilder von Gehäuse, Gehäusemündung, Nabel, Fuß und Körperzeichnung gemacht werden. Bei Jungtieren kann eine zuverlässige Bestimmung deutlich schwieriger sein.
Die Herkunft der Schnecken darf nicht ignoriert werden
Bei geschützten Arten ist die Herkunft keine Nebensache. Helix pomatia ist in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Gesunde Tiere dürfen deshalb nicht einfach aus der Natur mitgenommen werden, nur weil man eine vorhandene Gruppe vergrößern möchte.
Das gilt auch dann, wenn im Garten besonders viele Weinbergschnecken leben.
Bei aufgenommenen verletzten Tieren kommt zusätzlich die Frage hinzu, ob und wann sie wieder freigelassen werden können. Ein Tier, das vorübergehend gepflegt wird, sollte nicht automatisch dauerhaft in eine bestehende Gruppe gesetzt werden.
Mehr zu den grundsätzlichen Anforderungen findest du unter Weinbergschnecken halten: Das sollte man vor der Haltung wissen.
Neue Schnecken nicht sofort zur Gruppe setzen
Eine neu aufgenommene Schnecke wirkt auf den ersten Blick vielleicht gesund. Trotzdem können kleine Mitbewohner, auffälliger Kot, Veränderungen am Mantel oder andere Probleme erst nach einigen Tagen sichtbar werden.
Deshalb sollte ein Neuzugang zunächst getrennt beobachtet werden.
Für diese Zeit braucht die Schnecke:
- eine gut belüftete Box
- leicht feuchte Erde, Moos oder Laub
- eine eigene Futterstelle
- eine separat angebotene Kalkquelle
- einen sicheren Deckel
- einen ruhigen, schattigen Standort
Eine Faunabox mit belüftetem Deckel kann als vorübergehende Beobachtungs- und Quarantänebox verwendet werden. Sie ersetzt bei einer dauerhaften Haltung allerdings kein passend eingerichtetes Gehege mit ausreichender Bodenfläche.
Während der getrennten Unterbringung sollte man auf folgende Auffälligkeiten achten:
- ungewöhnliche kleine Tiere auf Körper oder Gehäuse
- einen dauerhaft stark geschwollenen Mantel
- Verletzungen
- auffällige Flüssigkeitsausscheidungen
- anhaltende Schwäche
- ungewöhnlichen Geruch
- deutliche Probleme beim Fressen oder Fortbewegen
Die verwendeten Futterschalen, Kalkquellen und Einrichtungsgegenstände sollten in dieser Zeit nicht zwischen der neuen Schnecke und der vorhandenen Gruppe getauscht werden.
Verletzte Schnecken gehören nicht in eine bestehende Gruppe
Eine verletzte Schnecke braucht vor allem Ruhe und eine Umgebung, in der sich ihr Zustand gut kontrollieren lässt. Zwischen mehreren gesunden Tieren kann sie leicht übersehen oder überkrochen werden. Außerdem lässt sich dann kaum erkennen, welches Tier gefressen, Kot abgesetzt oder ein angebotenes Futter angenommen hat.
Bei einem größeren Gehäuseschaden ist daher eine getrennte Unterbringung sinnvoll. Wie diese eingerichtet werden kann, steht ausführlich im Beitrag Verletzte Schnecke unterbringen: Ruhe, Boden und passende Box.
Auch nach einer sichtbaren Besserung sollte das Tier nicht sofort zurückgesetzt werden. Zunächst muss sich zeigen, ob es wieder normal kriecht, frisst und sich sicher in sein Haus zurückziehen kann.
Können große und kleine Weinbergschnecken zusammenleben?
Der Größenunterschied ist bei Weinbergschnecken nicht deshalb problematisch, weil große Tiere gezielt Jagd auf kleine Tiere machen. Das Problem ist viel alltäglicher: Winzige Jungschnecken werden schnell übersehen.
Sie können:
- beim Reinigen versehentlich entsorgt werden
- an Futterresten oder Laub haften
- sich tief in den Boden eingraben
- durch Öffnungen entkommen, die für erwachsene Tiere sicher sind
- unter schweren Einrichtungsgegenständen verschwinden
- von großen Schnecken überkrochen werden
- beim Umsetzen oder Austauschen des Futters verletzt werden
Was für eine ausgewachsene Weinbergschnecke ein sicherer Lüftungsspalt ist, kann für ein Jungtier bereits ein Ausgang sein. Der Beitrag Schneckenterrarium ausbruchsicher machen zeigt die typischen Schwachstellen eines Geheges.
Sehr kleine Jungschnecken lassen sich in einer eigenen Aufzuchtbox wesentlich besser kontrollieren. Dort sieht man schneller, ob sie fressen, wachsen und Kalk aufnehmen.
Jungschnecken besser getrennt aufziehen
In einer Gruppe erwachsener Tiere sind Jungschnecken nicht automatisch in Gefahr. Ihre Versorgung und Kontrolle werden dort jedoch erheblich schwieriger.
Besonders nach dem Schlupf sind sie winzig und empfindlich. In einem großen, stark eingerichteten Gehege können sie praktisch verschwinden. Bei jeder Reinigung besteht dann die Gefahr, sie zusammen mit Erde, welkem Futter oder Kot zu entfernen.
Eine eigene Aufzuchtbox hat mehrere Vorteile:
- Futteraufnahme ist leichter erkennbar.
- Die kleinen Gehäuse lassen sich besser kontrollieren.
- Lüftungsöffnungen können an ihre Größe angepasst werden.
- Die Tiere gehen beim Reinigen nicht so schnell verloren.
- Wachstum und Entwicklung lassen sich dokumentieren.
- Die Zahl der Jungtiere bleibt überschaubar.
Erst wenn die Jungschnecken deutlich größer und stabiler sind, kann über eine Zusammenführung nachgedacht werden.
Mehrere Arten brauchen mehrere Futter- und Kalkstellen
In einem ausreichend großen Gehege kommen Weinbergschnecken normalerweise gleichzeitig an dieselbe Futterstelle. Trotzdem sollte nicht das gesamte Futter an einer einzigen Stelle liegen.
Bei mehreren Tieren sind mindestens zwei Futterplätze sinnvoll. Das Gleiche gilt für Kalkquellen. Eine Schnecke kann lange auf einer Sepiaschale sitzen und damit den Zugang für kleinere Tiere erschweren, ohne sie absichtlich zu vertreiben.
Getrennte Stellen haben noch einen weiteren Vorteil: Man sieht besser, ob sich einzelne Tiere bevorzugt in bestimmten Bereichen aufhalten.
Das Terrarium sollte außerdem mehrere Rückzugsmöglichkeiten enthalten. Geeignet sind unter anderem Laub, Moospolster, Korkstücke und leichte Verstecke ohne scharfkantige Stellen. Schwere Steine oder harte Dekorationen haben in einem Schneckengehege nichts zu suchen, weil ein Sturz auf eine harte Kante zu Gehäuseschäden führen kann.
Passende Möglichkeiten habe ich unter Verstecke für Schnecken im Terrarium zusammengestellt.
Heimische Weinbergschnecken und tropische Riesenschnecken gehören nicht zusammen
Afrikanische Riesenschnecken und einheimische Weinbergschnecken sollten nicht im selben Terrarium gehalten werden.
Die Tiere stammen aus völlig unterschiedlichen Lebensräumen. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Ruhephasen, Größe und Platzbedarf unterscheiden sich erheblich. Ein Klima, das für eine tropische Art passend ist, kann für eine einheimische Weinbergschnecke auf Dauer ungeeignet sein.
Hinzu kommen die enormen Größenunterschiede. Eine kleine heimische Schnecke lässt sich zwischen großen tropischen Tieren, Einrichtungsgegenständen und tiefem Bodengrund kaum noch zuverlässig kontrollieren.
Auch wenn beide Tiere als „Landschnecken“ bezeichnet werden, ergibt sich daraus keine sinnvolle gemeinsame Haltung.
Nacktschnecken und Weinbergschnecken zusammen halten?
Auch Nacktschnecken sollten nicht wahllos zu Weinbergschnecken gesetzt werden. Unter dem Begriff Nacktschnecke verbergen sich zahlreiche Arten mit sehr unterschiedlichen Ernährungsweisen.
Einige Arten leben überwiegend von abgestorbenem Pflanzenmaterial, andere fressen Pilze, lebende Pflanzen, Aas oder andere Schnecken. Ohne sichere Artbestimmung lässt sich nicht beurteilen, ob ein gemeinsames Gehege überhaupt infrage kommt.
Dazu kommen Unterschiede bei:
- Platzbedarf
- Bodenfeuchtigkeit
- Verstecken
- Futter
- Aktivitätszeiten
- Fortpflanzung
Eine zufällig im Garten gefundene Nacktschnecke sollte deshalb nicht einfach in ein vorhandenes Weinbergschneckenterrarium gesetzt werden.
Woran erkennt man, dass die Vergesellschaftung nicht funktioniert?
Probleme zeigen sich nicht immer durch offensichtliche Auseinandersetzungen. Häufiger fällt auf, dass eine Art oder ein einzelnes Tier mit den gemeinsamen Bedingungen nicht zurechtkommt.
Warnzeichen können sein:
- Eine Art bleibt dauerhaft inaktiv, während die andere normal unterwegs ist.
- Einzelne Tiere erreichen Futter oder Kalk kaum.
- Eine Schnecke nimmt sichtbar ab oder wird schwächer.
- Die Tiere benötigen so unterschiedliche Feuchtigkeit, dass kein sinnvoller Mittelweg möglich ist.
- Eine Art beginnt mit der Ruhephase, während die andere weiter aktiv bleibt.
- Kleine Tiere verschwinden regelmäßig aus dem Blick.
- Milben oder andere Kleintiere treten nach dem Einsetzen eines Neuzugangs auf.
- Eier und Jungtiere lassen sich keiner Art mehr sicher zuordnen.
- Das Gehege wird durch die Anzahl der Tiere ungewöhnlich schnell schmutzig.
Dann ist Trennen keine Niederlage, sondern die vernünftige Lösung.
So setzt man neue Schnecken nach der Quarantäne zur Gruppe
Ist eine neue Schnecke unauffällig geblieben und passt sie grundsätzlich zur vorhandenen Gruppe, kann sie umgesetzt werden.
Ich würde dafür einen Zeitpunkt wählen, an dem anschließend genügend Zeit zum Beobachten bleibt. Das Tier sollte nicht kurz vor einer längeren Abwesenheit zur Gruppe gesetzt werden.
Vor dem Einsetzen:
- Futterreste und stark verschmutzte Stellen entfernen.
- Mehrere frische Futterstellen anbieten.
- Mindestens zwei Kalkquellen auslegen.
- Deckel, Lüftungsflächen und Spalten kontrollieren.
- Harte oder wackelige Gegenstände entfernen.
- Verstecke so platzieren, dass kein Tier eingeklemmt werden kann.
- Temperatur und Feuchtigkeit prüfen.
Ein digitales Thermometer und Hygrometer hilft dabei, Veränderungen im Gehege früh zu erkennen. Gerade bei mehreren Arten sollte man sich nicht allein auf das eigene Gefühl verlassen.
Nach dem Einsetzen ist entscheidend, ob das neue Tier normal kriecht, frisst und Ruheplätze aufsucht. Eine einzelne Ruhephase ist noch kein Grund zur Sorge. Bleibt eine Schnecke jedoch über längere Zeit auffällig, wird sie wieder getrennt beobachtet.
Ein zweites Gehege sollte immer bereitstehen
Wer mehrere Schnecken oder verschiedene Arten hält, braucht eine Ausweichmöglichkeit.
Ein zweites Gehege wird benötigt, wenn:
- eine Schnecke verletzt ist
- ein Tier neu aufgenommen wurde
- Milben oder andere Probleme auftreten
- Jungschnecken schlüpfen
- sich zwei Arten doch nicht gemeinsam halten lassen
- unterschiedliche Ruhephasen beginnen
- das Hauptterrarium gründlich gereinigt werden muss
Für die dauerhafte Trennung eignet sich ein gut belüftetes Terrarium mit ausreichender Bodenfläche. Bei der Auswahl helfen die Hinweise unter Terrarium für Weinbergschnecken: Größe, Bauart und sichere Auswahl.
Ein großes Terrarium mit breiter Bodenfläche kann je nach Tierzahl als Hauptgehege infrage kommen. Für eine kurzfristige Trennung reicht eine passende, sicher belüftete Box.
Mein Fazit zur Vergesellschaftung von Weinbergschnecken
Die sicherste Gruppe besteht aus gesunden Schnecken derselben Art und ähnlicher Größe. Unterschiedliche Arten können teilweise unter vergleichbaren Bedingungen leben, sollten aber nicht allein wegen ihres ähnlichen Aussehens zusammengesetzt werden.
Bei Helix pomatia und Cornu aspersum müssen Herkunft, Größe, Aktivitätszeiten und Ruhephasen beachtet werden. Tropische Riesenschnecken gehören nicht mit einheimischen Weinbergschnecken in ein Terrarium. Sehr kleine Jungschnecken lassen sich in einer eigenen Aufzuchtbox wesentlich sicherer versorgen.
Vor jeder Vergesellschaftung stehen eine sichere Artbestimmung und eine getrennte Beobachtungszeit. Ebenso wichtig ist ein zweites Gehege, falls die gemeinsame Haltung nicht funktioniert.
Weitere Informationen zu Haltung, Ernährung, Verhalten und Entwicklung findest du in meinem Buch „Faszination Weinbergschnecken“.
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