Ein Gelege sieht zunächst überschaubar aus. Ein paar kleine, weiße Kugeln in der Erde – wie viele Schnecken daraus werden können, merkt man erst später.
Weinbergschnecken legen nicht nur ein oder zwei Eier. Je nach Art, Alter und Haltungsbedingungen können es mehrere Dutzend sein. Leben mehrere erwachsene Schnecken zusammen, können außerdem mehrere Tiere Eier legen. Aus einem Terrarium mit drei Schnecken wird so innerhalb kurzer Zeit eine Aufzuchtstation mit sehr vielen Jungtieren.
Deshalb sollte man sich nicht erst nach dem Schlupf Gedanken über den Nachwuchs machen. Die entscheidende Frage lautet vorher:
Wie viele Jungschnecken kann und möchte ich wirklich dauerhaft versorgen?
Wie viele Eier legen Weinbergschnecken?
Die genaue Zahl unterscheidet sich von Tier zu Tier. Auch die Art spielt eine Rolle. Bei der Gewöhnlichen Weinbergschnecke Helix pomatia kann ein Gelege mehrere Dutzend Eier enthalten. Die Gefleckte Weinbergschnecke Cornu aspersum kann ebenfalls große Gelege absetzen und sich unter guten Bedingungen sehr erfolgreich vermehren.
Außerdem bleibt es nicht zwingend bei einem einzigen Gelege.
| Situation | Mögliche Folge |
|---|---|
| Zwei geschlechtsreife Schnecken | Beide Tiere können nach der Paarung Eier legen |
| Mehrere erwachsene Schnecken | Mehrere Gelege innerhalb kurzer Zeit |
| Unbemerkte Eiablage | Jungschnecken tauchen plötzlich an der Oberfläche auf |
| Sehr tiefer Bodengrund | Gelege bleiben beim Kontrollieren leichter unentdeckt |
| Dauerhaft günstige Bedingungen | Je nach Art sind weitere Eiablagen möglich |
Weinbergschnecken sind Zwitter. Trotzdem benötigt die Fortpflanzung normalerweise einen Partner. Nach der Paarung können beide beteiligten Tiere Eier produzieren.
Wie Paarung, Liebespfeil und Eiablage ablaufen, habe ich im Beitrag Weinbergschnecken bei der Paarung: Ablauf, Liebespfeil und Eiablage ausführlich erklärt.
Woran erkenne ich eine bevorstehende Eiablage?
Kurz vor der Eiablage verbringen Weinbergschnecken häufig auffällig viel Zeit am Boden. Sie schieben den Kopf in die Erde, graben an mehreren Stellen oder verschwinden schließlich ganz im Bodengrund.
Nicht jede eingegrabene Schnecke legt automatisch Eier. Auch Ruhe, Trockenheit, Wärme oder ungeeignete Haltungsbedingungen können dahinterstecken. Die Unterschiede findest du im Beitrag Weinbergschnecke gräbt sich ein: Eiablage, Ruhe oder ein Haltungsproblem?.
Bei einer möglichen Eiablage gilt: Die Schnecke nicht ausgraben und nicht ständig kontrollieren. Sie sollte ihre Grube in Ruhe anlegen und wieder verlassen dürfen.
Wann sollte ich nach Eiern suchen?
Mit der Kontrolle wartet man, bis die Schnecke ihre Grube verlassen, die Öffnung verschlossen und sich wieder normal im Gehege bewegt hat. Während der Eiablage sollte man den Bereich nicht öffnen.
Danach kann der Bodengrund vorsichtig durchsucht werden. Praktisch sind dafür:
- ein kleiner Pflanzspatel
- ein flacher Sortierteller oder Pflanzuntersetzer
- eine LED-Lupe
- kleine, durchsichtige Aufbewahrungsdosen mit Deckel
Der Bodengrund wird nicht grob umgegraben. Besser ist es, ihn abschnittsweise und mit den Fingern oder einem kleinen Spatel zu prüfen. Schneckeneier sind weich und können bereits durch leichten Druck beschädigt werden.
Eine genaue Beschreibung und Vergleichsmöglichkeiten findest du unter Weinbergschneckeneier erkennen und richtig versorgen.
Vor dem Schlupf eine ehrliche Zahl festlegen
Die Versuchung ist groß, einfach alle Eier schlüpfen zu lassen. Sie sind klein, die Aufzuchtbox ist groß genug und am Anfang benötigen die Jungtiere scheinbar kaum Platz.
Das ändert sich jedoch.
Die Tiere wachsen, produzieren Kot, benötigen frisches Futter, Kalk, Bodengrund und sichere Gehege. Später müssen sie überwintert oder dauerhaft weitergehalten werden. Auch die tägliche Kontrolle nimmt mit jedem Tier zu.
Diese Fragen sollten vor dem Schlupf beantwortet sein:
| Frage | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Wie viele erwachsene Tiere kann ich unterbringen? | Aus winzigen Jungschnecken werden große Weinbergschnecken |
| Habe ich Platz für mehrere Gehege? | Größenunterschiede oder Erkrankungen können eine Trennung nötig machen |
| Kann ich alle Tiere während des Winters versorgen? | Auch die Überwinterung benötigt Platz und Kontrolle |
| Was geschieht mit weiterem Nachwuchs? | Geschlechtsreife Nachzuchten können erneut Eier legen |
| Habe ich Abnehmer? | Eine Zusage ist erst dann verlässlich, wenn die Tiere tatsächlich übernommen werden |
| Kenne ich die genaue Art? | Die Art ist für Haltung, Weitergabe und rechtliche Fragen entscheidend |
Ich würde die Zahl nicht danach festlegen, wie viele Babys gerade in eine Dose passen. Entscheidend ist, wie viele ausgewachsene Schnecken später vernünftig untergebracht werden können.
Nur einen Teil des Geleges aufziehen
Es müssen nicht alle Eier eines Geleges ausgebrütet werden. Wer Jungschnecken beobachten und aufziehen möchte, kann sich vorab auf eine überschaubare Zahl beschränken.
Das ist sinnvoller, als erst alle Tiere schlüpfen zu lassen und anschließend verzweifelt nach neuen Plätzen zu suchen.
| Möglichkeit | Aufwand | Risiko |
|---|---|---|
| Kein Nachwuchs wird aufgezogen | gering | regelmäßige Gelegekontrolle nötig |
| Kleiner Teil eines Geleges | gut planbar | spätere Geschlechtertrennung ist nicht möglich |
| Vollständiges Gelege | hoch | schnell sehr viele Jungtiere |
| Mehrere Gelege gleichzeitig | sehr hoch | Platz-, Hygiene- und Vermittlungsprobleme |
| Unkontrollierte Vermehrung | kaum noch planbar | immer neue Generationen |
Auch Jungschnecken sind Zwitter. Eine klassische Trennung nach männlichen und weiblichen Tieren ist daher nicht möglich. Wer mehrere geschlechtsreife Schnecken zusammen hält, muss weiterhin mit Eiern rechnen.
Was tun mit Eiern, die nicht ausgebrütet werden sollen?
Hier wird es unangenehm, aber Wegsehen löst das Problem nicht. Wer fortpflanzungsfähige Schnecken hält, trägt auch Verantwortung für die Gelege.
In Foren und Gruppen kursieren dazu verschiedene Methoden. Häufig wird empfohlen, Schneckeneier einzufrieren. Für lebende, bereits geschlüpfte Schnecken sollte diese Empfehlung jedoch nicht einfach übernommen werden.
Der aktuelle Wortlaut von § 12 Absatz 11 der Tierschutz-Schlachtverordnung nennt für Schnecken stark kochendes Wasser oder als Ausnahme über 100 Grad Celsius heißen Dampf. Das Einfrieren wird dort nicht als Tötungsmethode aufgeführt.
Für Schneckeneier nennt dieser Absatz keine eigene, ausdrücklich formulierte Methode. Ich würde deshalb bei Unsicherheit beim zuständigen Veterinäramt nachfragen und mir die Auskunft nach Möglichkeit schriftlich geben lassen. Das ist zuverlässiger als zwanzig widersprüchliche Antworten aus dem Internet.
Wichtig ist die Unterscheidung:
- Schneckeneier sind nicht dasselbe wie bereits geschlüpfte Schnecken.
- Für lebende Schnecken enthält die TierSchlV eine konkrete Regel.
- Bei geschützten Arten können zusätzlich artenschutzrechtliche Vorschriften greifen.
- Eier aus der Natur dürfen nicht einfach eingesammelt oder zerstört werden.
Chemikalien, Salz oder Reinigungsmittel gehören weder an Eier noch an lebende Schnecken. Eier sollten auch nicht im Biomüll landen, solange nicht sicher ausgeschlossen ist, dass sie dort schlüpfen können.
Wild gefundene Eier sind ein anderer Fall
Ein Gelege im eigenen Terrarium ist nicht mit einem Gelege in der Natur gleichzusetzen.
Die Gewöhnliche Weinbergschnecke Helix pomatia wird in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung als besonders geschützte Art geführt. Dort ist auch die Gefleckte Weinbergschnecke unter ihrem älteren wissenschaftlichen Namen Helix aspersa aufgeführt. Heute wird sie meist Cornu aspersum genannt.
Nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz dürfen Entwicklungsformen besonders geschützter wild lebender Arten nicht aus der Natur entnommen, beschädigt oder zerstört werden.
Das bedeutet ganz praktisch:
Ein draußen gefundenes Gelege bitte nicht vorsorglich einsammeln, um es zu Hause auszubrüten.
Es könnte zu einer geschützten Art gehören. Selbst wenn es gut gemeint ist, wird damit in ein natürliches Gelege eingegriffen.
Darf ich meine Nachzuchten draußen freilassen?
Das Freilassen wird gern als einfache Lösung vorgeschlagen: Die Schnecken stammen schließlich irgendwie aus der Natur, also könne man sie auch wieder dorthin bringen.
So einfach ist es nicht.
Nach § 40 Bundesnaturschutzgesetz bedarf das Ausbringen von Tieren in der freien Natur grundsätzlich der Genehmigung der zuständigen Behörde. Zusätzlich können Herkunft, Art, lokales Vorkommen und Landesrecht eine Rolle spielen.
Dazu kommen praktische Probleme:
- Die Tiere könnten nicht aus der örtlichen Population stammen.
- Die Art könnte am vorgesehenen Ort gar nicht natürlich vorkommen.
- Parasiten, Milben oder andere Organismen könnten verschleppt werden.
- Bei Cornu aspersum ist nicht automatisch davon auszugehen, dass die Art an jedem Ort ausgesetzt werden darf.
- Terrariennachzuchten sind nicht einfach „Wildtiere auf Zeit“.
Das Freilassen ist deshalb kein bequemer Entsorgungsweg für unerwarteten Nachwuchs. Vor einer geplanten Aussetzung sollte die zuständige Untere Naturschutzbehörde gefragt werden.
Kann ich die Jungschnecken verschenken?
Eine Weitergabe kann möglich sein, sollte aber nicht spontan und ohne Informationen erfolgen. Der neue Halter muss wissen, welche Art er übernimmt und welche Ansprüche sie hat.
Zur Weitergabe gehören mindestens:
| Information | Gehört dazu |
|---|---|
| Art | Helix pomatia, Cornu aspersum oder andere Art |
| Herkunft | Nachzucht, Fundtier oder unbekannte Herkunft |
| ungefähres Alter | Schlupfdatum, falls bekannt |
| bisherige Haltung | Bodengrund, Temperatur, Überwinterung |
| Gesundheitszustand | Verletzungen, Milben, Auffälligkeiten |
| Futter | bisher gut angenommene Pflanzen und Gemüsesorten |
| Kalkversorgung | verwendete und bekannte Kalkquellen |
| rechtliche Unterlagen | soweit für Art und Herkunft erforderlich |
Bei besonders geschützten Arten sollte die Herkunft nachvollziehbar dokumentiert werden. Im Zweifel hilft die zuständige Naturschutzbehörde bei der Frage, welche Unterlagen benötigt werden und ob die geplante Weitergabe zulässig ist.
Eine Kleinanzeige ersetzt diese Prüfung nicht.
Wenn die Jungschnecken bereits geschlüpft sind
Manchmal wird ein Gelege übersehen. Plötzlich sitzen winzige Jungschnecken an der Scheibe oder kriechen zwischen Moos und Laub.
Dann bitte nicht hektisch den gesamten Bodengrund entsorgen. Weitere Jungtiere können noch unter der Erde sitzen. Auch beim Futterwechsel und Reinigen muss nun sehr genau hingesehen werden.
Für die ersten Tage sind folgende Dinge praktisch:
- eine übersichtliche Aufzuchtbox aus transparentem Kunststoff
- engmaschige Fliegengitter-Gaze
- ein digitales Thermometer mit Hygrometer
- eine feine Sprühflasche
- flache Futterschälchen aus Kunststoff
- Sepiaschale als ständig verfügbare Kalkquelle
Die Box muss sicher verschlossen und trotzdem gut belüftet sein. Jungschnecken passen durch Öffnungen, die bei erwachsenen Tieren völlig unproblematisch aussehen.
Die vollständige Aufzucht findest du unter Baby-Weinbergschnecken halten: Unterbringung, Futter und Kalk.
Nicht aus Angst zu feucht halten
Jungschnecken sind klein und wirken empfindlich. Deshalb wird ihre Box häufig viel zu nass gehalten.
Unsere einheimischen Arten benötigen aber keine dauerhaft tropische Luftfeuchtigkeit. Beschlagene Wände, ständig nasser Boden und Wassertropfen an allen Flächen sind kein Zeichen besonders guter Pflege.
Der Bodengrund soll leicht feucht sein, nicht nass. Es muss ein Luftaustausch stattfinden. Stehende, warme und feuchte Luft begünstigt Probleme mit Schimmel und kann den Schnecken schaden.
Ein kleines digitales Hygrometer hilft beim Beobachten. Wichtiger als eine vermeintlich perfekte Zahl ist jedoch das Gesamtbild:
| Beobachtung | Bedeutung |
|---|---|
| Boden leicht feucht, Scheiben überwiegend klar | meist unauffällig |
| einzelne Tropfen kurz nach dem Sprühen | normal |
| Scheiben dauerhaft beschlagen | zu wenig Luftaustausch oder zu viel Wasser |
| Bodengrund matschig | deutlich zu nass |
| Futter schimmelt sehr schnell | Reinigung, Futtermenge und Lüftung prüfen |
| Mantel wirkt geschwollen | Haltung sofort kontrollieren |
Mehr zur Auswahl und sinnvollen Verwendung findest du im Beitrag Hygrometer im Schneckenterrarium: Luftfeuchtigkeit richtig beurteilen.
Futter und Kalk für viele Jungschnecken
Viele Jungtiere benötigen nicht automatisch riesige Futtermengen. Große Berge Gurke verderben eher, als dass sie vollständig gefressen werden.
Besser sind kleine Portionen unterschiedlicher Futtermittel. Geeignet sind unter anderem welke Blätter, Löwenzahn, Brennnessel, Klee, Wegerich, Möhrengrün, Gemüse, Pilze sowie verschiedene ungespritzte Zweige und Rindenstücke mit natürlichem Bewuchs.
Eine ausführliche Übersicht findest du unter Was fressen Weinbergschnecken? Futterliste für Haltung und Pflege.
Kalk wird immer separat angeboten und nicht über das Futter gestreut. Geeignet sind beispielsweise:
- Sepiaschale
- saubere Eierschalen
- geeigneter Futterkalk
Eierschalen müssen nicht zu Pulver gemahlen werden. Die Schnecken raspeln selbst davon ab. Mehr dazu steht in den Beiträgen Sepiaschale für Schnecken richtig verwenden und Eierschalen für Schnecken vorbereiten und anbieten.
Eine einfache Routine gegen unkontrollierten Nachwuchs
Wer geschlechtsreife Weinbergschnecken hält, sollte die Gelegekontrolle als normalen Teil der Haltung betrachten.
| Zeitpunkt | Kontrolle |
|---|---|
| täglich | Verhalten der erwachsenen Tiere beobachten |
| bei Grabeverhalten | Stelle merken, Schnecke aber nicht stören |
| nach abgeschlossener Eiablage | Bereich vorsichtig kontrollieren |
| während der Fortpflanzungszeit | Bodengrund regelmäßig abschnittsweise durchsuchen |
| nach einem Gelege | Zahl der aufzuziehenden Eier festlegen |
| nach dem Schlupf | Gehege, Deckel und Lüftungsöffnungen täglich prüfen |
Eine kleine Pflanzenstecktafel kann helfen, eine vermutete Eiablagestelle zu markieren. So muss nicht ständig das ganze Gehege durchsucht werden.
Der häufigste Fehler beginnt mit „Die sind doch noch so klein“
Genau das sind sie – am Anfang.
Zwanzig oder vierzig Jungschnecken lassen sich zunächst in einer übersichtlichen Box unterbringen. Später benötigen dieselben Tiere deutlich mehr Platz, mehr Futter, mehr Bodengrund und mehr Zeit. Gleichzeitig kann bereits die nächste Generation entstehen.
Wer Nachwuchs möchte, sollte ihn bewusst aufziehen. Dazu gehört auch, die Zahl zu begrenzen.
Das ist keine Lieblosigkeit. Es ist wesentlich verantwortungsvoller, wenige Jungschnecken gut zu versorgen, als jedes Gelege vollständig schlüpfen zu lassen und anschließend keinen vernünftigen Platz für die Tiere zu haben.
Weitere Grundlagen zur Haltung, Beobachtung und Biologie der Tiere findest du in meinem Buch Faszination Weinbergschnecken.
Wenn du dich mit anderen Haltern austauschen, Bilder eines Geleges zeigen oder wiederkehrende Fragen zur Aufzucht besprechen möchtest, findest du uns in der Facebookgruppe „Weinbergschneckenfreunde“.
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